Das ordentlich geschachtelte Gehirn birgt Text in Computerlettern und strahlt Kühle und Nüchternheit aus. Ein Coverdesign, das nicht gerade nach kuscheliger Spiel-Gemütlichkeit duftet. DYADE präsentiert sich in sachlicher Herbheit.

Dreht man die Schachtel um, so wird die erste angenehme Überraschung geboten: Mit wenig Text und ein paar Photos wird der ganze Spielablauf gezeigt. Man kauft die Katze nicht im Karton, sondern weiß, was man nach Hause trägt. Dem Hersteller da ob der Bildqualität oder gar der Linienführung am Zeug zu flicken, ist bei einem so positiven Ansatz fast unfair.

Die Dyaden sind Türmchen, die je zwei mit einer Kette verbunden sind. Es wird nicht gezogen, sondern an der kurzen Leine gewatschelt. Wechselnd wird jeder Turm dem anderen zum Klotz am Bein. Wer mit seiner Zweiheit so zieht, daß sich die Kette über die des Gegners legt, hat dessen Dyade geschlagen. Der andere ist also nicht an die Kette, sondern unter die Kette zu legen.

DYADE sprengt den Rahmen des breiten Spielangebots, weil das Material so ungewöhnlich ist. Es hat die Eleganz des TWIXT, aber nicht dessen Statik. Die Strategie rankt sich an der zähen Beweglichkeit der gefesselten Figuren entlang. Ein bißchen wird auch mit hausbackener Spieleschachtel jongliert, wenn man bei Erreichen der gegenüberliegenden Grundlinie eine Edeldyade mit erhöhter Beweglichkeit zugesprochen bekommt, womit dem anderen dann auch prompt der Garaus gemacht wird.

Doch diese allzu potente Dame kann man getrost weglassen, um mit den zwickmühlenhaften Einkreismöglichkeiten zu spielen. Geschickt aufgebaute Angriffe lassen dem anderen oft nur die Wahl zu entscheiden, welche seiner Dyaden er opfern will. An dem DASS kann er schon nicht mehr rütteln.

Der Hersteller wagt sich als Neuling auf den Spielemarkt. Er wird hart kämpfen müssen, denn auch dann, wenn ein Spiel seinen Preis durch Idee und Ausstattung rechtfertigt, bleibt das Konkurrenzangebot ein Maßstab. Hier kann DYADE gerade noch mithalten. Doch wo die Neulinge halt immer wieder Schwierigkeiten haben, das ist der Vertrieb. Noch muß man dem Hersteller nachspüren, um an einen Bezugsquellennachweis zu kommen. Die kleinen Messing- und Alutürmchen mit ihren blinkenden Ketten lohnen diese Suche. Tom Werneck

DYADE, Bütehorn-Spiele im Buchholzverlag, 2000 Hamburg 1, Speersort 1; 2 Personen, durchschnittliche Spieldauer 20 Min. Unverbindliche Preisempfehlung 29,80 Mark.