Anschließend erfolgte in Übereinstimmung mit dem Aufsichtsrat und Vorstand der ERBA AG im Juli 1972 der Erwerb der 90prozentigen Beteiligung an der Val. Mehler AG, Fulda, zu einem Preis von etwa 21 Millionen Mark.

Der Kaufpreis wurde zum Teil aus der Gruppe und durch Aufnahme eines mittelfristigen Kredites bei einer Schweizer Bank finanziert. Der Verkauf der Mehlerbeteiligung erfolgt durch die Familie Bauer und Mehler-Erben. Durch die Übernahme der Val. Mehler AG hatte die Glöggler-Gruppe eine erweiterte Produktionsbasis, und der erste Schritt zur Diversifikation war getan. Die chemo-technische Produktpalette – der Val. Mehler AG sollte es auch der HFI mit ihrer chemo-technischen Abteilung leichter machen, in gemeinsamer Forschung neue chemo-technische Produkte zu entwickeln. Der Aufsichtsrat und Vorstand der Val. Mehler AG hatten kein klares Konzept und nicht genügend Betriebsmittel, um den darin schaffenden 5000 Mitarbeitern die Gewähr dafür zu geben, daß sie. auch in der Zukunft einen sicheren Arbeitsplatz haben. Erst durch die Integration der Val, Mehler AG in die Glöggler-Gruppe konnten die Entfaltung und Modernisierung dieses Konzernteiles erfolgreich vorangetrieben werden.

Im April 1973 erfolgte in Übereinstimmung mit dem Aufsichtsrat und Vorstand der ERBA AG und Val Mehler AG der Erwerb der AKS Augsburger Kammgarnspinnerei, Augsburg. Herr Albert Flaitz, inzwischen zum Generaldirektor der Glöggler-Gruppe ernannt und in der deutschen Textilbranche als „bewährter Fachmann“ bekannt, bezeichnete die AKS als die Perle der europäischen Kammgarnindustrie. Der Erwerb der 51prozentigen Beteiligung durch die Glöggler-Gruppe erforderte einen Kapitalaufwand von etwa 38 Millionen Mark. Dieser Kaufpreis wurde zum größten Teil durch Zurverfügungstellung eines mittelfristigen Kredites durch eine deutsche Großbank finanziert.

Die Verkäufer der Mehrheit von 51 Prozent waren die Deutsche Bank AG, Familie Kutter, Kaufbeuren, und Dr. Kuttner, München. Die Deutsche Bank, wollte zunächst den Kaufpreis für das abgegebene Aktienpaket an der AKS nicht in bar, sondern durch den Erwerb des damals in meinem Besitz befindlichen Holzmann-Paketes von etwa 10 Prozent verrechnet haben. In der Schlußphase dieser Verhandlungen konnte ich mich bedauerlicherweise mit der Deutschen Bank über den Kaufpreis für mein Holzmann-Paket nicht einigen, so daß ich den Kaufpreis des von der Deutschen Bank erworbenen Paketes schließlich doch in bar zu bezahlen hatte.

Mit dem Erwerb der AKS und der Verknüpfung aller Gesellschaften war seit Bestehen der deutschen Textilindustrie die größte deutsche Textilgruppe entstanden, die sehr bald eine nationale und internationale Ausstrahlung und Bedeutung erlangte. Während viele neutrale Beobachter dieser Konzernbildung, insbesondere schwäbische und bayerische Wirtschaftskreise, respektvoll und sympathisierend gegenüberstanden, bildete sich, besonders im konservativen Lager der deutschen Textilunternehmungen, von Anfang an gegen mich eine feindliche Gruppe, die dem Outsider und newcomer Glöggler den Erfolg nicht gönnte, Fachverbände, konservative Banken und Behörden zögerten in der Anerkennung der Glöggler-Gruppe, obwohl diese außergewöhnliche Leistungen vollbrachte und ein bedeutendes Wirtschaftspotential darstellte.

Glöggler über die Banken:

Entgegen dem allgemeinen wirtschaftlichen Trend konnten in den schwierigen Wirtschaftsjahren 1973 bis 1975 von der Gruppe sowohl im Inals auch im Ausland bedeutende, überdurchschnittliche Erfolge erzielt werden, ungeachtet der Umstrukturierungsphase, in der sich einige Gesellschaften dieser Gruppe befanden. Jedem Außenstehenden – besonders den mit mir arbeitenden Banken – mußte klar sein, daß dieser Konzernaufbau sowie die hohen Investitionen für Modernisierung der Fabrikanlagen und den Aufbau eines notwendigen Vertriebsapparates nicht aus eigener Kraft erfolgen konnten. In- und ausländische Banken stellten mir sowohl für den Erwerb der Gesellschaften als auch für deren Modernisierung bereitwillig große Kredite zur Verfügung.