Was geschah 1963 in der Registratur des Verteidigungsministeriums?

Von Wolfgang Hoffmann

Bonn, im Oktober

Ministerialrat Fritz-Josef Rath, Leiter der Abteilung „Ermittlungen in Sonderfällen“ des Verteidigungsministeriums, hatte bisher nie daran geglaubt, zu finden, wonach er nun Schon seit mehr als einem Jahrzehnt sucht: nach einer Bestätigung für den fortwährenden Verdacht, Beamte, Politiker oder gar Parteien seien bei der Beschaffung des ersten deutschen Kampfflugzeuges, Typ Starfighter F 104 G, vom amerikanischen Flugzeugkonzern Lockheed mit Millionenbeträgen bestochen worden.

Neuerdings aber dreht sich im deutschen Komplex des weltweiten Lockheed-Bestechungsskandals alles nur noch um jene alten Akten. Der Grund liegt auf der Hand: Die kompletten Lockheed-Akten aus den Jahren 1956, 1957, 1958 und 1959 sind verschwunden – ein für deutsch-preußische Beamten-Mentalität einmaliger Vorgang.

Das Akten-Drama aus den Jahren, in denen Franz Josef Strauß Verteidigungsminister war, erlebte in Bonn am 17. September dieses Jahres seine öffentliche Erstaufführung. Im ersten Akt, während einer Pressekonferenz, in der Verteidigungssprecher Armin Halle und Ministerialrat Rath über die Schwierigkeiten bei den, Untersuchungen in Sachen Lockheed berichteten, erwähnte Halle eher beiläufig, daß „Teile der Akten, insbesondere auch der Akten des damaligen Ministerbüros, schon in den Jahren 1966/1967 nicht auffindbar waren und auch bei den jetzt durchgeführten Untersuchungen nicht auffindbar blieben“.

Damit war das Stichwort gefallen, das fortan den Vorsitzenden der bayerischen CSU, Franz Josef Strauß, im Wahlkampf begleiten sollte. Denn bei den verschwundenen Lockheed-Akten handelte es sich um Vorgänge, die in Straußens Amtsära als Verteidigungsminister zurückreichen. Der genaue Zeitpunkt des Verschwindens der brisanten Akten läßt sich nicht exakt ermitteln, er läßt sich indes einkreisen. Und just hier beginnen die ersten Merkwürdigkeiten.