Das schmutzige und turbulente, verabscheuenswerte und geliebte Buenos Aires, in dem Borges und ich leben und leiden“ – so endet ein Essay Ernesto Sábatos über Jorge Luis Borges im Band „Sartre gegen Sartre“ (erschienen im Limes Verlag). Ein philosophisch gestimmter Erzähler hebt sich da von einem andern, älteren ab und bekundet zugleich eine Brüderlichkeit (während Kommentatoren Sábato gern gegen Borges ausspielen).

Ernesto Sábato. Sohn eines italienischen Einwanderers, einst Atomphysiker in Paris und Amerika, der um 1945 als Vierunddreißigjährigei seine Karriere abbrach und sich für die Literatur als die relevantere Forschung entschied, ist mit seinem zweiten Roman „Über Helden und Gräber“ (deutsch 1967) weltberühmt geworden. Vor. Literaturkennern wird er ebenso geschätzt, wie von einem großen Publikum, und zwar lange vor jenem „Boom“, mit dem sich vier Namen jüngerer Autoren (Julio Cortázar, Carlos Fuentes, Mario Vargas Llosa, Gabriel García Márquez) verbinden. Sábatos dritter, umfangreicher Roman „Abadón, der Engel der Vernichtung“ ist 1974 in Buenos Aires erschienen (und wird zur Zeit ins Deutsche übersetzt). In ihm kommt Sábato selber vor – als Nebenfigur.

Der jetzt erschienene Band von –

Ernesto Sábato: „Maria oder die Geschichte eines Verbrechens“, aus dem Spanischen von Helga Castellanos; Limes Verlag, München, 1976; 208 S., 22,– DM

lautet original „Der Tunnel“ und hieß, als er 1958 zum erstenmal, in anderer Übersetzung auf deutsch erschien „Der Maler und das Fenster“. Es ist die Geschichte einer Einsamkeit, der Einsamkeit einer Riesenstadt, aus der ein Künstler auszubrechen versucht. Er versucht diese Flucht erst mit einem Gemälde, das diese Einsamkeit ausdrückt, dann mit der Liebe zu einer Betrachterin dieses Gemäldes; an ihr wird er zum rasenden Othello – aber nicht so grundlos wie der Mohr von Venedig.

Dieser erste, kurze Roman bleibt die beste Einführung in die Welt eines Erzählers, den Graham Greene rühmt und den Albert Camus mit eben diesem Roman bei Gallimard veröffentlicht hat; erst nach dieser französischen Publikation interessierten sich argentinische Verleger für die bis dahin nur in der Zeitschrift „Sur“ gedruckte Erzählung. Mit der unheimlichen Erscheinung von Marias blindem Gatten werden die Leser des zweiten Romans schon an den „Bericht über die Blinden“ erinnert, der dessen Kernstück bildet. Was Witold Gombrowicz im Vorwort für die deutsche Ausgabe jenes Romans schrieb – „verführerisch, leidenschaftlich und attraktiv“ – gilt auch für „Maria“. Später hat Sábato philosophischer und vielschichtiger geschrieben. Als Erzähler war er mit diesem Erstling gleich im Zenit. François Bondy