Im Gestüt Nehmten müssen die deutschen Springreiter jetzt kürzer treten

Von Karl Morgenstern

Dieter Graf von Landsberg-Velen, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, lobte: „Wie immer die Zukunft im Gestüt Nehmten (Schleswig-Holstein) aussehen wird, was Dr. Herbert Schnapka für den deutschen Turniersport geleistet hat, verdient vor allem Dank und Respekt.“ In den Dank floß die Hoffnung ein, es möchten sich mehr Mäzene vom menschlichen und wirtschaftlichen Format des Ölkaufmannes von der Ruhr bewegen lassen, so uneigennützig Engagement zu demonstrieren. Was der Reiterführer aus dem Sauerland im Frühsommer diesen Jahres in vorsichtig-zurückhaltenden Worten im kleinen Kreis im Reiterstädtchen Warendorf andeutete, weiß die Branche ohnehin. Daß man nämlich im Hause Schnapka die deutschen „Rotröcke“ nicht mehr ganz so großzügig wie in der Vergangenheit unterstützen wird. Und das hat viele Gründe.

Einer der wichtigsten ist sicherlich, daß einige deutsche Springreiter die Freizügigkeit des westdeutschen Mäzens zu rücksichtslos zum eigenen Vorteil genutzt und damit ihrer Zunft allerdings keinen großen Dienst erwiesen haben. Den wichtigsten Grund nennt Helmold Baron Plessen, Leiter des erst im Mai 1972 gegründeten Gestüts, das sich vor allem der deutschen Warmblutzucht verschrieben hat: „Angesichts der schwieriger gewordenen steuerlichen Situation in Deutschland sieht sich Dr. Schnapka außerstande, den Reitsport künftig noch im gleichen Umfange wie bisher zu fördern.“

Das Engagement wird trotzdem groß genug bleiben. Qualität statt Quantität ist mehr denn je die Devise im 1500 Hektar großen Gestüt Nehmten am Plöner See, wo zwölf einladende Koppeln, sieben Stallgebäude, eine 20 × 60 Meter große Reithalle und ein eigenes Querfeldeingelände beispiellose Voraussetzungen, jedenfalls für deutsche Verhältnisse, bieten. Hier sind die grün-gelben Farben des Schnapka-Gestüts allgegenwärtig. Das gelbe „S“ auf grünen Satteldecken, geschätzt und respektiert auf allen Turnierplätzen Europas, fällt dem Besucher sofort ins Auge. Hier ist der große Sport Alltag, stehen Training, Zucht und Pflege nebeneinander.

Nehmten ist heute zur Heimat von etwa achtzig Pferden geworden, die gut und teuer sind. Und deren Namen Insider mit Hochachtung aussprechen und registrieren. Die Stute „Simona“, mit der Hartwig Steenken vor zwei Jahren Weltmeister wurde und die just während der Olympischen Spiele in Montreal ihr erstes Fohlen bekam, ist die prominenteste Dame in den Stallungen am Südzipfel des Plöner Sees. Alles in allem gehören heute rundum in Deutschland 150 Pferde von schwer zu schätzendem Wert, der aber in die Millionen geht, zum Gestüt Nehmten, Fohlen aller Couleur eingeschlossen.

Kein Aderlaß