Die Gründer waren zwei Schwaben. Ihr Angebot schmückten sie mit bayerischen weiß-blauen Rauten. Was dabei herauskam, galt für rund acht Jahrzehnte als typisch Berlin. Nun hat Aschinger das Zeitliche gesegnet.

Lag es an der Firma, an den Verhältnissen, an der Stadt? Auch die berühmtesten Brötchen werden einmal altbacken. Wie berühmt sie waren, unterstrichen zum letztenmal die Kondolenzen deutscher Gazetten von München bis Hamburg, von Nürnberg bis Frankfurt. Selten dürfte der Konkursantrag eines gastronomischen Unternehmens so vielen Leuten sichtlich auf den Magen geschlagen sein. In Berlin allerdings war mit dem Erfolgsunternehmen der Gründerzeit schon nicht mehr viel los, als an der Joachimstaler Straße schließlich die Schilder erschienen: "Wegen Umbau-Arbeiten geschlossen."

Dort, an der Ecke Hardenbergstraße nahe dem Zoo, hatte Aschinger Anfang 1950 in West-Berlin wieder eine seiner populären Bierquellen eröffnet, den Schnellimbiß mit der preiswerten Erbsensuppe, die flinke Bedienung wie eh und je. Im Jahr zuvor waren in Ost-Berlin alle Filialen enteignet worden. Vor dem Kriege trugen fast hundert Berliner Gaststätten, in denen täglich über eine Million Brötchen unentgeltlich abgegeben wurden, das Aschinger-Schild.

Neuzeitliche Schwierigkeiten ergaben sich schon 1967, als ein Gast doch tatsächlich bei der Gewerbeaufsicht anzeigte, es sei unhygienisch, aus einem Brötchenkorb zu essen, in den Hinz und Kunz unkontrolliert hineinlangten. Das Personal mußte die begehrte Backware einzeln am Tresen abgeben, was den beliebten Massenkonsum psychologisch erschwerte, bis dann ein automatischer Spender installiert wurde.

Derlei Sorgen hatte der bei Maulbronn gebürtige August Aschinger noch nicht, als er 1892 nach zwölfjähriger Tätigkeit in Berlin als Koch und Büfettier mit seinem Bruder Carl nahe dem Spittelmarkt die erste Bierquelle eröffnete. Er war gerade dreißig. Als er mit neunundvierzig starb, war das Erbssuppen-Imperium mit dem einprägsamen Namen bereits auf fünfzig Lokale angewachsen. Was das Unternehmen so populär machte, war die Rücksicht auf schmale Brieftaschen und das Berliner Tempo, "Kollege kommt gleich", bekam kein Gast zu hören. Es flutschte eben.

So glatt ist es nach dem Kriege nie mehr gegangen. Als der Flachbau am Zoo einem großen Neubau weichen sollte, schmiedete Aschinger erfolglos eigene Pläne auf dem eigenen, inzwischen teuersten Grundstück Berlins. Für 5,8 Millionen ging es an eine Immobilienfirma, die dem Gastronomen das Mietrecht für ihr neues Lokal einräumte, aber selbst 1974 in die Geldklemme geriet. Der Neubau brachte nicht, was er gekostet hatte, und kam unter den Hammer. Als der neue Eigentümer die Mieten drastisch erhöhte, gab das dem 84jährigen Unternehmen den letzten Stoß. Es betrieb zuletzt drei weitere Berliner Lokale, die Gastronomie der Kongreßhalle und ein westdeutsches Lokal.

Die Popularität war längst abgeblättert. Die aus der Erinnerung auf heute bezogenen Stoßseufzer liegen neben der Neu-Berliner Wirklichkeit mit ihren Pizzerias, chinesischen Restaurants und knackvollen Lokalen der Schickeria, die von außen nicht immer etwas hermachen. Und die Liebe zum jetzigen Berlin geht nicht nur durch den Magen