DIE ZEIT

Scheels unklares Veto

Die in der Frühzeit der Bundesrepublik vertretene These, der Bundespräsident sei ein bloßer Staatsnotar und habe vom Parlament beschlossene Gesetze ohne Rücksicht auf ihren.

Kotau vor Hua

Gong- und Trommelschläge, ohrenbetäubender Lärm von Feuerwerkskörpern und Jubel von Millionen Menschen begleiteten den Anbruch einer neuen Ära in China, das Zeitalter nach Mao.

Saure Trauben

Mit der Verkündung von Leitlinien, denen erhabene Allgemeinheit niemand absprechen kann, hat die Koalition ihre Verhandlungen für das neue Regierungsprogramm offiziell eröffnet.

Undiplomatisch

Koreanische Kommunisten haben nichts für die Feinheiten der bürgerlichen Diplomatie übrig. Im August hackten sie zwei amerikanische Soldaten zu Tode.

Reparatur hat Vorrang vor Reform

In Bonn sind die beiden Regierungsparteien jetzt darangegangen, den Spielraum des Möglichen abzustecken. Das Wünschenswerte wird dabei im Hintergrund bleiben müssen.

Zeitspiegel

In der SPD scheint die Frage, wer denn der Größte in der Partei sei, die Genossen nach wie vor zu beschäftigen. Jedenfalls spricht für diese Vermutung, daß sich die Genossen folgenden Witz erzählen: Wehner, Schmidt und Brandt streiten sich darüber, wer der Größte ist.

Disput in Paris: Kommissar Maigret im Matignon

In der Pariser Nationalversammlung meldete sich der kommunistische Abgeordnete Ballanger zu Wort. Er habe die Ehre, dem Premierminister mitzuteilen, daß soeben die letzten Teilnehmer des großen Protestmarsches gegen das Anti-Inflationsprogramm am Ziel angekommen seien.

Mut zum Risiko - oder lieber der alte Trott?

Es ist schon spät am Abend, als Gerald Ford vor die Studenten tritt. Eingerahmt von Frau und Tochter läßt er sich in der College-Aula von Williamsburg in Virginia für seinen Auftritt im Fernsehduell mit Jimmy Carter feiern, das er wenige Minuten zuvor hinter sich gebracht hat.

SPD-Linke: Parteiräson ist Trumpf in der Baracke

Kaum hatte die Parteiführung gegenüber den Rechten in der Fritz-Erler-Gesellschaft einen Trennungsstrich gezogen, da sah es so aus, als wolle nun der linke Flügel in der SPD mobil machen.

SPD-Rechte: Gesellschaft mit beschränkter Haltung

Laut war sie, doch lebte sie nicht lange. So wird es von der Fritz-Erler-Gesellschaft heißen, die im Februar dieses Jahres aus trüber Taufe gehoben worden war, alsbald einigen Lärm verursachte, bereits im September durch illoyale Bekenntnisse eines ihrer Vorstandsmitglieder zugunsten.

Paragraph 218: Autoritärer Irrtum

Das menschliche Gewissen ist eine Instanz, der die Staatsgewalt seit jeher nur widerstrebend eigene Zuständigkeiten eingeräumt hat.

Europäische Sicherheit: Wieviel ist in den Körben?

Daß Leute aus Ost und West miteinander diskutieren, ist schon lange nichts Neues mehr, aber daß Russen, Amerikaner, Osteuropäer – unter denen nur die Tschechen fehlten – sowie Deutsche aus der Bundesrepublik und aus der DDR in Berlin zusammentreffen, das hat es meines Wissens noch nicht gegeben.

Katholische Kirche: Aufwind für Lefebvre?

Die jüngste Entwicklung gab der streitbaren Exzellenz eigentlich nur Recht: Am letzten Sonntag noch hatte der von seinem Amt suspendierte französische Erzbischof Marcel Lefebvre während einer Kundgebung der konservativen "Laiengruppe Bodensee" in Friedrichshafen Papst Paul VI.

Libanon: Die Krise geht weiter

Der Krieg im Libanon kann sich, wenn der 57. Waffenstillstand hält, seinem Ende zuneigen; die Krise aber geht weiter. Was auch die arabischen Staatsmänner, erst in Riad, dann in dieser Woche in Kairo, an den üblichen großen Worten über "Solidarität" und "gemeinsamen Kampf" fanden – wer zum Beispiel wieviel für die Friedenstruppe zahlen soll und wer wie viele Soldaten im Libanon stationieren darf, ist noch umstritten.

USA–Kuba: Castro kontert

Am 6. Oktober zerriß eine Explosion eine kubanische Verkehrsmaschine in der Luft, gleich nach dem Start von den Barbados-Inseln mit Kurs auf Havanna.

Andreotti zieht die Notbremse

Alle Räder standen 24 Stunden lang still, Der Streik der italienischen Eisenbahnen Anfang der Woche war mehr denn je ein Symbol.

Im Irrgarten der Pfund-Krise

Die Regierung Callaghan verteidigt derzeit noch ihren Kurs: Aufrechterhalten des "Sozialvertrags" mit den Gewerkschaften, also leidliches Wahren des bereits geschmälerten Lebensstandards gegen Lohnverzicht und Streikdisziplin.

BONNER BÜHNE: Signale in der Nacht

"Die sehen schon wieder Signale", seufzte dieser Tage ein CDU-Politiker, der seinen Parteifreunden mühevoll klarmachte, daß Genschers besitzergreifende Markierung der FDP-Positionen innerhalb der Koalition keinen unionsfreundlichen Hintersinn hatte.

Breschnjews Bilanz

Manche Passagen in der neuesten Rede Leonid Breschnjews lesen sich wie verklausulierte Absagen an jene Kräfte im eigenen Lager, die Moskaus Weltmacht auf Kosten des sowjetischen Lebensstandards ausbauen wollen.

Ein Hauch von Freiheit

Zu sagen, vom gewaltigen Oktobersturm vor zwanzig Jahren seien in Ungarn keine Spuren mehr zu entdecken, wäre maßlos untertrieben.

Wechsel in Wiesbaden: Minister zum Nulltarif

Als das Ende der Regierungszeit des hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald heraufdämmerte, kamen beim freidemokratischen Koalitionspartner in Wiesbaden Überlegungen in Gang, die Gunst der SPD-Unglücksstunde zu nutzen, um in der eigenen Familie schon länger fällige Rechnungen zu begleichen.

Fallstricke im Fragebogen

Die Frau hat ein gewisses Recht auf den Schwangerschaftsabbruch. Der Arzt hat ein gewisses Recht auf die eigene Gewissensfreiheit.

Die Bundesregierung bereitet ein Arbeitsmarktprogramm vor. Doch seine Wirkung dürfte in der Praxis ziemlich gering sein.: Hilfe aus Bonn reicht nicht aus

Mit wieviel Geld kann man einen Arbeitslosen dazu bewegen, seine Wohnung zu kündigen oder sein Haus zu verkaufen, seine Kinder von der Schule abzumelden, sich einen Möbelspediteur ins Haus kommen zu lassen und dorthin zu ziehen, wo ihn eine neue Stelle erwartet? Mit tausend Mark oder, äußerstenfalls, sogar mit 1400 Mark, wie es die Bundesregierung in ihrem noch inoffiziellen Arbeitsmarktprogramm vorsieht? Skepsis ist angebracht.

Bonner Kulisse

Der alte Bundestag wird zwar noch sechs Wochen im Amt bleiben, doch das hindert die Mitglieder des neuen, achten Parlaments nicht, schon jetzt die Fühler nach einflußreichen Positionen in Ausschüssen und Fraktions-Arbeitskreisen auszustrecken.

Gesundheitspolitik: Krisenmanager gesucht

Erst jetzt, nachdem sie auf künftige Ministerehren verzichtet hat, wissen die Spitzenleute der Bonner Koalition, was sie an Katharina Focke hatten: eine zwar schwache Amtswalterin der Gesundheitspolitik, deren öffentliche Reputation ihrer fachlichen Kompetenz und vor allem ihrer politischen Durchschlagskraft weit vorauseilte, doch immerhin eine Ministerin.

Fischereikrieg: Skeptische Skipper

Die Europäische Gemeinschaft ist auf der Insel nicht gerade populär, aber nirgendwo ist sie so unpopulär wie in den Fischereihäfen.

Europäische Gemeinschaft: Bares Geld für Hans Apel

Wenn es in der Europäischen Gemeinschaft trotz Abschaffung der Zölle immer noch Grenzkontrollen gibt, so ist diese von den Bürgern als anachronistisch empfundene Behinderung des freien Personen- und Warenverkehrs vor allem der fehlenden Steuerharmonisierung im Gemeinsamen Markt zuzuschreiben.

Benzinpreise: Ausverkauf in Rotterdam

Was auch immer mit den Benzinpreisen geschieht, die Öffentlichkeit registriert’s begierig – und zumeist mit Emotion. Wird der Sprit teurer, sind die bösen Multis schuld.

Schottischer Whisky: Woher kamen die Flaschen?

Heinz Hermann Freiherr Schilling von Canstatt ist als Geschäftsmann wie privat ein Fan harten Handelns. Aber was da deutsche Supermärkte und Discounter immer wieder mit den Preisen von feinem Scotch Whisky machen, beispielsweise mit dem von seiner Firma importierten Johnnie Walker, das geht dem Mitinhaber der Mainzer Sektkellerei Christian Adalbert Kupferberg & Cie denn doch zu weit: "Die führen die vergoldeten Marken", erbost sich der Baron, "im Tiefflug vor.

ZEITRAFFER

Noch der alte Bundestag soll im kommenden Monat über ein neues Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung Beschluß fassen. Hauptziel: Dauerarbeitslosen und Jugendlichen zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen, wobei vor allem die Mobilität der Stellungslosen gefördert werden soll.

Auslandsinvestitionen: Drang nach draußen

Auch wenn der Schah von Zeit zu Zeit mit dem Kauf eines deutschen Aktienpaketes viel Staub aufwirbelt: Der Kapitalanteil der Erdölländer an deutschen Unternehmen ist bisher – gemessen an den gesamten Auslandsinvestitionen in der Bundesrepublik – verschwindend gering.

MANAGER UND MÄRKTE

Otto: Immer auf der Suche Entwicklungsland Deutschland Gerling: Der zweifache Sieger

"Gewinne müssen steigen"

Schmahl: Wir müssen natürlich immer auf die Vorbehalte unserer Prognosen hinweisen. Diesmal haben wir dafür besonders viele Gründe, weil zwei ganz wichtige Faktoren noch keineswegs eindeutig sind: Die Konjunktur im Ausland wegen der bekannten Probleme einiger Länder, und die Investitionsneigung im Inland wegen der zuletzt eingetretenen Abschwächung der Erholungstendenzen.

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