Seit den Zusammenstößen im badischen Wyhl wissen wir, wie sehr der Bau von Kernkraftwerken die Bevölkerung erregt. Zuletzt wat dies am vergangenen Wochenende zu spüren – in Brokdorf in der schleswig-holsteinischen Marsch. Der Protest läßt sich nicht einfach auf radikale Linke und Kommunisten zurückführen. Gewiß, sie sind immer dabei und provozieren durch ihr Rabaukentum Aufmarsch und Eingreifen der Polizei. Aber machen wir uns nichts vor: Auch in Brokdorf sind es vor allem einheimische Bürger, die sich gegen die Errichtung des Kernkraftwerkes wehren und gewaltlos demonstrieren. Bei der Planung des Kernkraftwerkes in Brunsbüttel an der Elbe-Mündung hatte es die schleswig-holsteinische Landesregierung nur mit sieben Einwendungen zu tun. In Brokdorf waren es schon mehr als zwanzigtausend.

Die Kieler Regierung ist unversehens in die Schußlinie geraten. Dabei folgt sie nur den erfergiepolitischen Plänen der Bundesregierung, die vor zwei Jahren nach dem Schock der Ölkrise aufgestellt worden sind. Gleichwohl versuchen gerade Parteigänger der Bonner Koalition, auf örtlicher Ebene ihren Nutzen aus der Proteststimmung der Bürger zu ziehen.

Die Zurückhaltung der Bundesregierung im Kleinkrieg um die Atomreaktoren ist schwer verständlich. Warum steht sie nicht öffentlich für die Notwendigkeit dieser Vorhaben ein – auch gegenüber ihren eigenen Anhängern? Oder ist sie etwa selber wankend geworden? Dann dürfte sie nicht die Landesregierungen ins Messer, der Bürgerinitiativen laufen lassen, (s. S. 13) –er