Die Finanzminister aller Länder wollen an der Spielleidenschaft verdienen

Das ist, klagt Karl-Adolf Willmann, Geschäftsführer der Casino Travemünde GmbH, "jetzt schon die reine Invasion". Nicht die hohe Besucherzahl meint der Spielbanken-Mann, sondern die Zahl der neueröffneten Casinos – die Gründerzeit ist angebrochen. Allein in Niedersachsen wurden in den letzten zwei Jahren sechs Spielsalons eröffnet – von Hittfeld bis Bentheim. Der Stadt-Staat Berlin reihte sich letzten Herbst ebenfalls in den Kreis der Spiel-Städte ein.

Und nun – bislang als letzte – will auch die Freie und Hansestadt endlich ein Spielcasino, als Nummer 22 in Deutschland, eröffnen. Vor nunmehr gut einem Jahr gab die Hamburger Bürgerschaft grünes Licht und erließ den "Gesetzentwurf über die Zulassung einer öffentlichen Spielbank in Hamburg".

Allenthalben nämlich haben Bundesländer, Kommunen und gutverdienende Bundesbürger ein nahezu todsicheres System entdeckt, Geld zu verdienen – mit Hilfe von Spielbank-Lizenzen.

Anders als die spielende Kundschaft, die sich allabendlich an Roulette und Baccarat versucht, können Lizenznehmer und Lizenzgeber gleichermaßen auf die Bank setzen. Der Staat ist mit dem dicksten Brocken dabei: 80 Prozent des Bruttoeinspielergebnisses – des Betrages, der nach Auszahlung der Gewinne in der Kasse zurückbleibt – gehen an Bund, Länder und Gemeinden. Die Bonner Finanzkasse ist immer mit fünf Prozent an den 80 Prozent dabei, die Länder kassieren zwischen gut 49 und 60 Prozent, der Rest bleibt für die Kommunen.

Doch selbst die bescheidenen zwanzig Prozent, die die privaten Eigentümer vom Bruttoeinspielergebnis kassieren können, scheinen einen Einsatz wert. Zwar müssen daraus sämtliche Investitionen und Einrichtungskosten, nicht, aber die Personalkosten, die aus dem Trinkgeld bezahlt werden, finanziert werden. Dennoch wurde das Gerangel um die Lizenzen für neue Spielhäuser immer heftiger.

Seit der Hamburger Senat eine Lizenz zu vergeben hat, bewarben sich immerhin 50 interessierte Gesellschaften. Doch die Hamburger ließen sich Zeit. Bis heute wurde die Konzession nicht vergeben. Wohl aber verhandelt der zuständige Finanzsenator, der das städtische Steuersäckel gern mit acht Millionen zusätzlichen Einnahmen füllen möchte, inzwischen mit einer der Bewerbergruppen die Hamburger Verleger John Jahr, Vater und Sohn, und Stern-Redakteur Wilfried Achterfeld.