Der Getriebehersteller Renk schloß mit dem sozialistischen Staat ein kapitalistisches Bündnis

Von Hermann Bößenecker

Zuerst verhandelte Emil Spittler in Französisch, dann in Englisch und schließlich in Deutsch. Die rumänischen Gesprächspartner des Justitiars der Augsburger Zahnräderfabrik Renk waren in der ersten Phase ältere Juristen, die ihre Ausbildung noch vor dem Krieg absolviert hatten, dann junge Staats-Advokaten, die ganz auf der Linie der Partei lagen; schließlich aber, als die Fronten immer mehr zu verhärten drohten, griffen die Rumänen auf eine mittlere Juristen-Generation zurück, mit der sich Spittler in Deutsch verständigte.

Bei den ungemein zähen und langwierigen Konferenzen, die meist bis tief in die Nacht hinein dauerten, ging es um ein Projekt, das seinesgleichen in Osteuropa sucht und das nun feierlich der Öffentlichkeit präsentiert wurde: um die Bildung der "gemischten Gesellschaft? Resita-Rerik S. A., die in Resita im südwestlichen Rumänien ein hochmodernes Getriebewerk errichtete.

Bis es aber so weit war, mußte der gewiefte Wirtschaftsjurist Spittler ein Dreivierteljahr lang viel Nervenkraft und Ausdauer aufwenden. Einmal warf er mitten im zermürbenden Sitzungsmarathon seine Akten hin, verließ das Konferenzzimmer und fuhr mit seinem Koffer zum Flughafen. Erst dort holten ihn die Rumänen ein und baten ihn, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Heute empfindet der Firmenanwalt Stolz darüber, daß es doch noch geklappt hat: "Ich habe schon fast in der ganzen Welt verhandelt, aber noch nie soviel wie hier." Noch einige Stunden vor der offiziellen Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrags waren bei einem Besuch des rumänischen Staats- und Parteichefs Nicolae Ceausescu bei der Renk-Muttergesellschaft Gutehoffnungshütte (GHH) in Oberhausen die letzten Komplikationen aufgetaucht: Die deutschen Partner mußten: dem Gast die Mehrheit am Kapital der Kooperationsfirma überlassen. In der Praxis aber kann Renk, das am Kapital von zwanzig Millionen Mark 49 Prozent hält, während die beiden rumänischen Staatsfirmen ICMR und Uzinexportimport zusammen 51 Prozent haben, im fünfköpfigen Verwaltungsrat in entscheidenden Fragen nicht überstimmt werden.