Beachtlich „Silent Movie“ von Mel Brooks. Wer, außer eben Hollywoods wildester Komödiant, würde schon auf die Idee kommen, 1976, fast fünfzig Jahre nach „The Jazz Singer“, einen richtigen Stummfilm zu drehen, ganz ohne Dialoge, dafür aber mit etlichen Zwischentiteln? Das einzige Wort, das in „Silent Movie“ gesprochen wird, kommt von Marcel Marceau. Brooks macht sich, zusammen mit seinen treuen Begleitern Marty Feldman und Dom DeLouise, einen Spaß daraus, klassische Slapstick-Muster mit den gesellschaftlichen Verrenkungen des Neuen Hollywood zu konfrontieren. Natürlich müssen auch Stars her. Das ruppige Trio umwirbt und gewinnt Burt Reynolds, James Caan, Liza Minnelli, Anne Bancroft und Paul Newman für das verrückte Unternehmen. Das Vergnügen des Regisseurs an geschmacklosen Gags – eine Intensivstation wird zum Spielsalon umfunktioniert – schafft viele schaurig-schöne Situationen, aber allmählich läuft die auf totale Unterhaltung programmierte Witzmaschine doch leer. Einige Sequenzen, zum Beispiel die Tanznummer mit Anne Bancroft, sind allerdings von einem derart anarchischem Wahnsinn, daß man dennoch auf seine Kosten kommt. Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Der Rächer von Kalifornien“ von Frank Laughlin. Seine beiden ersten Filme signierte er als T. C. Frank, bei seinem dritten und diesem vierten gab er seinen Sohn Frank als Regisseur an: Tom Laughlin, Produzent, Autor, Regisseur und Darsteller, talentierter Primitiver Hollywoods, Schöpfer eines kassenträchtigen Kinomonsters. Als Halb-Indianer, Vietnam-Veteran und Karate-Experte Billy Ja de schützte er in „Engel der Hölle“, „Billy Jack“ und „The Trial of Billy Jack“ die Guten (Indianer, Kinder, Neger) vor den Bösen (bigotten Bürgern, Politikern und Polizisten, Rassisten und Rockern). Der gegen den Widerstand der Industrie herausgebrachte „Billy Jack“ spielte 30 Millionen Dollar ein, „Trial“, in 1000 Theatern gestartet, 11 Millionen in der Premierenwoche. In „The Master Gunfighter“, von einem japanischen Samurai-Film inspiriert, hat Laughlin die Rolle des edlen Halbwilden aufgegeben, aber die Botschaft beibehalten: Gewalt ist von Übel, doch Geldgier, Haß und Korruption machen sie notwendig. Im Kalifornien des Jahres 1836 schützt er indianische Minderheiten vor seiner angeheirateten spanischen Verwandtschaft, was ihm verzwickte moralische Skrupel verschafft. In extrem statischen, stelzigen, stilisierten Posen demonstriert Laughlin einen narzißtischen Persönlichkeitskult, der nur eines beweist: Auch dieser Film ist eine Produktion der „Billy Jack Enterprises“. Helmut W. Banz

Ärgerlich

„Squirm – Invasion der Bestien“ von Jeff Liebermann. Neue Katastrophenmeldung aus Hollywoods Horror-Zoo: Ein Unwetter knickt Hochspannungsmasten wie Streichhölzer. Hunderttausende von Volt werden in den überschwemmten, sumpfigen Erdboden geleitet. Autor und Regisseur Liebermann berichtet von den merkwürdigen Folgen der Naturkatastrophe: Der ungeheure Starkstromstoß läßt in hellen Scharen glitschige Würmer aus dem weichen Erdboden quellen, die nicht nur unappetitlich anzuschauen sind, sondern sich auch noch ungemein aggressiv und gefräßig verhalten. Bevor allerdings der naive Gruselfilm seine Ekelhöhepunkte erreicht, muß man erst langwierige Albernheiten und ärgerliche Ungereimtheiten über sich ergehen lassen.

Bodo Fründt

Empfehlenswerte Filme

„Ein König in New York“ von Charles Chaplin (siehe S. 43). „Satansbraten“ von Rainer Werner Fassbinder. „Der Gehülfe“ von Thomas Koerfer. „Krawatten für Olympia“ von Stefan Lukschy und Hartmann Schmige.