Frankfurt/Main

Oberbrand-Direktor Achilles will "gerne mithelfen, schönen, idealen Vorstellungen eine solide Grundlage zu verschaffen". So formuliert es abwägend der Chef von Frankfurts Feuerwehren, wenn er danach gefragt wird, was er davon hält, daß Mustafa Balduk bei ihm einen ausrangierten Krankenwagen kaufen will. Das nämlich hat sich der junge türkische Gastarbeiter in den Kopf gesetzt, seit er bei einem Urlaub in seinem Heimatdorf miterlebte, wie eine junge Frau sterben mußte, weil es keine Möglichkeit gab, sie in das 90 Kilometer entfernte Krankenhaus zu transportieren.

Nun will er sparen und seinem Dorf einen Krankenwagen schenken. Doch alle Anstrengungen müßten umsonst sein, alles müßte ein unerfüllbarer Wunschtraum bleiben, wenn nicht die Frankfurter Feuerwehr ihre ausrangierten Wagen zu erträglichen Preisen auf den Markt bringen würde. Nach etwa 170 000 Kilometern sind die 50 000-Mark-Spezialfahrzeuge für etwa 2000 Mark zu haben.

Das wäre für Mustafa Balduk erschwinglich. Jedoch: die Feuerwehr kann ihm nicht garantieren, daß es mit dem Kauf klappt. Sie muß nämlich, so verlangen es die Haushaltsvorschriften, zum Höchstangebot verkaufen. Und Krankenwagen, die ausgedient haben, sind gefragt. So sind sie bei geschickten Bastlern beliebt, die sie in Campingwagen verwandeln.

Doch Feuerwehrchef Achilles würde es gern sehen, wenn hier ein Beispiel gegeben werden könnte. "Wir würden uns freuen, wenn das ein Anlaß wäre, daß auf diesem Sektor noch mehr gemacht wird." Wobei er allerdings die Schwierigkeiten nicht verschweigt: "Man kann nicht einfach sagen, ich kaufe mir einen Krankenwagen, und dann ist auch der Krankentransport geregelt."

Da müsse auch die Ausbildung in erster Linie geregelt sein, der Diensteinsatz organisiert werden. An abschreckende Beispiele wird erinnert: Teure Notarzt-Wagen, die in Entwicklungsländer geschickt – und zum Transport von Baumaterial verwendet werden. "Das Leistungsangebot wurde nicht erkannt, weil die Ausbildung nicht vorhanden war."

So sind nun die Frankfurter Feuerwehrmänner hin- und hergerissen zwischen Respekt vor einer derart intensiven Bürgerinitiative im Alleingang und tiefer Skepsis, die den Fachmann überkommt, wenn er mit Laien-Enthusiasmus konfrontiert wird. Was, ihnen (bisher unbekannte) Sorgen bereitet: Durch die notwendigen, nüchternen Informationen könnte die Schwungkraft des persönlichen Engagements gebremst werden.

G. Z.