Göttingen

Göttingens Volkshochschule hat ihr Programm überraschend erweitert. Die populäre Schwester der traditionsreichen Georgia-Augusta-Universität inszeniert jetzt Krimis selber. Die Hauptrolle spielt der Chef. Allerdings steht er auf der falschen Seite. In der vergangenen Woche hatte eine Redakteurin des örtlichen Tageblatts von finanziellen Problemen der Bildungsstätten erfahren. 45 000 Mark fehlen in der Kasse.

Eine Mitarbeiterin, so vermutete Direktor Ebel, muß sich mit einem ausgeklügelten System eine stete Gehaltsaufbesserung verschafft haben. Schon im April, ließ der Erwachsenenbildner die Journalisten notieren, habe er die Veruntreuung bemerkt und den Fall der Polizei gemeldet.

Jetzt berichtete der rührige Hochschulmann detailfreudig vom entdeckten Coup der Kollegin. Die Volkshochschule habe eine Suchaktion nach Quittungen gestartet, auch die Hörer zurückliegender Semester seien angeschrieben worden. Sieben Jahre war die nun Verdächtige im Dienst der Göttinger Volkshochschule, zuletzt als Abteilungsleiterin. Sie führte das gesamte Mahn- und Einschreibwesen; bis Ende März 1976, dann verließ sie Göttingen.

Die Kontroll- und Prüfmechanismen schienen kein Problem für ihre Art zu mahnen, und die seit zwei Jahren ihr beigeordnete Registrierkasse buchte eh nur jene Beträge, die ihr – von der Abteilungsleiterin – eingegeben wurden.

Während in den Seminarräumen bildungsbeflissene Bürger paukten, was Recht und Ordnung sind, zu erfahren suchten, ob Wissen wirklich Macht und mehr Geld bedeute, war man ihnen in der Verwaltungsetage der Volkshochschule anscheinend schon mächtig voraus.

Gerhard Ebel zeigte sich enttäuscht. Für ihn, so mutmaßte er vor der Tageblatt-Interviewerin, stünde die Frau in Verdacht. Ob sie wirklich eine raffinierte Finanz-Joungleuse sei, könne erst das Gericht klären. Der Bildungsdirektor sprach sehr direkt, die Sache schien ganz klar zu sein. Zum Schluß jedoch fürchtete er ums Renommee und bat, das ganze Thema doch lieber nicht zu veröffentlichen.