Von Ulrich Schmidt

Bin ich euch nun auf den Leim gekrochen?“ fragte der arbeitslose Elektromechaniker aus Remscheid, als er mit Frau und vier Kindern im Evangelischen Familienferiendorf Mauloff eingetroffen war und eines der Sechs-Betten-Häuschen beziehen wollte. Er brauchte vier Tage und eine Flasche Schnaps, bis er seine Verklemmung überwunden und erkannt hatte, daß der Feriendorfpastor keineswegs die Absicht hatte, ihn zum Kirchgänger umzufunktionieren.

„Für meine Kinder gibt es nichts Besseres!“ sagte der Lufthansa-Angestellte aus Frankfurt nach drei Wochen Mauloff. Ihm als Billigflieger und seiner dreiköpfigen Familie stehen so ziemlich alle Ferienorte der Welt offen. Aber hier finde er, meint er, was er sonst vergeblich gesucht habe: gesellige Anregung, Freundschaften für die Kinder, Zeit zum Nachdenken, natürliches Leben.

Diese beiden Auskünfte sind offenbar typisch für zweierlei Arten von Dorfbewohnern: die kinderreichen, finanziell schwachen und die anderen, die weniger Kinder und mehr Geld haben. Gedacht sind die Familienferienstätten (so der offizielle Name) an sich für die erste Gruppe. Denn sie sind mit öffentlichen Mitteln errichtet und werden von gemeinnützigen Organisationen betrieben. Daß auch die andere Gruppe dort ihre Ferien verbringt, ist nicht so verkehrt, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die soziale Mischung tut beiden Seiten gut, und etwaiger Argwohn des Steuerzahlers ist hier ausnahmsweise unberechtigt.

In Mauloff kostet das Sechs-Betten-Haus pro Woche 182 Mark, das Haus mit zehn Betten 273 Mark. Wer sich nicht selbst verpflegen, sondern an den gemeinsamen Mahlzeiten im Haupthaus teilnehmen will, zahlt pro Tag und Kopf einschließlich Hausmiete 22 Mark. Die Sozialämter geben dazu Zuschüsse in unterschiedlicher Höhe. Wer keinen Anspruch auf Förderung hat, zahlt 28 Mark. Bei der Vergabe der Quartiere haben die Kinderreichen Vorrang.

Das winzige Bauerndorf mit dem russisch klingenden Namen liegt weltabgewandt und kesselartig abgeschlossen im Bergland des Taunus, unweit Bad Homburgs. Am Hang entlang und halb versteckt unter Bäumen schließt sich das Feriendorf an. Die Einbettung in die Landschaft ist gut gelungen, und auch die Anlage selbst läßt architektonisch kaum Wünsche offen. Insofern wird das Feriendorf seinem Ruf als Musteranlage der Evangelischen Kirche durchaus gerecht. Die Häuser des Dorfes sind überwiegend erdgeschossig und bungalowartig gebaut. Die Einrichtung ist schlicht und solide. Bad und Küchen haben alles, was eine sich selbst versorgende Urlaubsfamilie nötig hat. Der zentrale Wohnraum ist groß genug für ein verträgliches Miteinander an Regentagen.

Im Raum der Stille