Das ist vielleicht etwas zu pauschal geurteilt, denn einige Exilierte haben es in der Bundesrepublik wieder zu hohem Ansehen und zu politischem Einfluß gebracht – nicht zuletzt Willy Brandt selber. Aber es hat keinen Wahlkampf gegeben und keine umstrittene politische Entscheidung, in der man ihm nicht seine norwegische Uniform und seine – damals bedingte – Zustimmung zur „Volksfront“ gegen Hitler vorgeworfen hätte, mit nicht geringer Resonanz in breiten Volksschichten. Nicht nur rechtsradikale Hetzer haben in Broschüren und Büchern eine Rufmordhetze betrieben, die auch starknervige Politiker getroffen hätte. Nicht nur die NPD, auch Abgeordnete der CSU wie Richard Jäger und Richard Stücklen, selbst Bundeskanzler Adenauer und sein Nachfolger Erhard scheuten vor böswilligen Anzüglichkeiten nicht zurück. Die rhetorische Frage von Franz Josef Strauß in Vilshofen: „Was haben Sie zwölf Jahre lang draußen gemacht? Wir wissen, was wir drinnen gemacht haben“, verschreckte sogar so Gutwillige wie die Jaspers-Schülerin Hannah Arendt. Die Heimgekehrten, die wegen ihres Widerstandes gegen das Hitler-Regime als Vorbilder Achtung verdient hätten, fühlten sich wie Angeklagte, die sich rechtfertigen sollten. Sie wurden in ein „geistiges Getto“ verbannt; manche kehrten bald in ihre Asylländer zurück, keineswegs nur „Linke“, sondern auch Männer wie der konservative vormalige Reichskanzler Heinrich Brüning oder der Hamburger Schriftsteller Joachim Maaß – zwei von Ungezählten, denn auch in dieser Frage waltet ein Tabu bis heute.

Erbaulich ist dieser Bericht, 36 Jahre nach dem Ende des Krieges, für den deutschen Leser, nicht. Die Überlebenden wollen an die Schrecken der Hitlerzeit nicht erinnert sein; die unbeteiligten Jüngeren wissen mit diesem Spezialkapitel aus der „Vorzeit“ vermutlich wenig anzufangen – es sei denn, daß den Wachen gewisse Parallelen aus dem Sprachgebrauch der späten zwanziger Jahre mit dem Politjargon der Gegenwart auffallen. Sonst aber hat sich die volkstümliche Kampagne gegen die „Emigranten“ seit der Mitte der sechziger Jahre totgelaufen und wird nur bei besonderen Anlässen, wie bei Bundestagswahlen, für einen dafür noch empfänglichen Teil der Bevölkerung aus dem Keller geholt.