Sehenswert

„Krawatten für Olympia“ von Stefan Lukschy und Hartmann Schmige. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte sich die Berliner Film- und Fernsehakademie zu ihrem zehnjährigen Jubiläum nicht wünschen können. Die Abschlußarbeit von Stefan Lukschy (Jahrgang 1948), entstand in Zusammenarbeit mit Hartmann Schmige bei einem lächerlich geringen Budget – um die zwanzigtausend Mark. Erfindungsreich, mit lakonischem Witz und einem sicheren Gespür für Typen und Milieu-Zeichnung erzählen die beiden jungen Regisseure vom listigen Kampf einer Gruppe von Heimarbeiterinnen gegen die Firma „Seidensiegel“. Der „Seidensiegel“-Chef (Motto: „Lohn nur den Treuen, keine Gnade allen übrigen“) soll für Montreal die deutsche Herren-Mannschaft mit Bindern ausstatten Ein anonymer Brief an das Landesamt für Arbeitsschutz mit einer Beschwerde über die Unterbezahlung der Heimarbeiterinnen löst bei „Seidensiegel“ eine Kettenreaktion komischer und weniger komischer Katastrophen aus. Ohne die bisweilen arg verkrampfte und papierne Thesenhaftigkeit der Berliner Arbeiterfilm-Schule entwickeln Lukschy und Schmige eine intelligente Komödie, die auf das angenehmste Aufklärung und Unterhaltung miteinander verbindet. Hans C. Blumenberg

„Blutige Hochzeit“ von Claude Chabrol. Eine delikate Affäre, schön oft im Werk Chabrols variiert, äußerst effektvoll und lustvoll böse: Französische Provinz, Stadtrat liebt Frau vom Bürgermeister, vergiftet die eigene kränkelnde Gattin und erschlägt mit der Geliebten den lästigen Dritten. Aber Verbrechen lohnen sich nie in Chabrols eleganten Gesellschaftssatiren: Verstohlenem Laster und greulichem Doppelmord folgt schicksalsergebenes Händehalten in Ketten. Die Zensur verzögerte 1973 den Start des Films, der Premier beklagte öffentlich seine Bosheit–Chabrol hatte nicht nur einen Krimi, ein Melodram, ein zynisches Porträt verlogener Bürgerlichkeit gemacht, sondern einen authentischen Skandal zur sarkastischen Parodie auf die Fünfte Republik verschärft. Die Kamera und ihre berühmten Kreisschwenks, Farb- und Dialogregie, die Schauspieler (Stephane Audran, Michel Piccoli, Claude Pieplu) sind meisterhaft. Seitdem gibt’s wenig Gutes von Chabrol, leider. – Wolf Donner

Mittelmäßig

„Der Texaner“ von Clint Eastwood. Resignierend kapituliert eine Guerillaeinheit der amerikanischen Südstaatler. Der Bürgerkrieg ist verloren, doch einer weigert sich, die Waffen zu strecken: „Outlaw Josey Wales“ – so der Originaltitel – hat noch eine private Rechnung zu begleichen. Mag die Situation des Ein-Meter-Zweiundneunzig-Hünen Eastwood, der da als archaischer Racheengel einherreitet, auch noch so ausweglos scheinen, am Ende kann der Zuschauer beruhigt den Saal verlassen: Die Gerechtigkeit hat auch im 27. Eastwood-Film wieder einmal gesiegt. Die Variationslosigkeit dieses Rezepts hat dem 46jährigen Darsteller immerhin schon über 200 Millionen Dollar erspielt. Daß nun allen Klischees zum Trotz aus seiner fünften Regiearbeit auch noch ein auf kuriose Weise unterhaltsamer und ansehbarer Film entstand, ist nicht zuletzt zwei Indianern zu verdanken: Forrest Carter, ein fast unbekannter Indianer-Dichter, schrieb die Romanvorlage, und der 76jährige Chief Dan George (bekannt aus Arthur Penns „Little Big Man“) sorgt als Häuptling Lone Wait für liebenswürdige Kontraste zur wortkargen Eastwood-Figur. Bodo Fründt

Empfehlenwerte Filme

„Ein König in New York“ von Charles Chaplin. „Satansbraten“ von Rainer Werner Fassbinder. „Der Gehülfe“ von Thomas Koerfer. „Uzala, der Kirgise“ von Akira Kurosawa (siehe S. 40).