Von Jost Nolte

Schon vor Jahresfrist meldete die Schallplattenfirma RCA „rasante Lagerabgänge“. Der Hit hieß „Gern hab ich die Frau’n zersägt“, und ein bis dahin unbekannter Harry Horror sang operetten-schmissig: „Bum, bum, bum, mit dem Hammer auf den Kopp./Eins, zwei, drei mit dem Beil den Rest zerkloppt./Dann ruck, zuck noch die Knochen durchgesägt/und das zerteilte – Fräulein in den Pappkarton gelegt.“ Gemeint war, wie fast jedermann sofort wußte, Fritz Honka, der im Haus Zeißstraße 74 im Hamburger Stadtteil Ottensen vier Frauen getötet und deren Leichen verstümmelt haben soll.

Die Schallplattenfirma gestand verschämt, man habe zunächst gezögert, das Honka-Lied herauszubringen. Daß man es dennoch auf den Markt geworfen hatte, lag augenscheinlich weniger im öffentlichen als im Geschäftsinteresse. Doch warum hätten ausgerechnet die Plattenmacher die Moral über den Profit stellen sollen? Hatten nicht gewisse Zeitungen im Sommer ’75 wochenlang von den Taten des Fritz Honka gelebt? Und hatte nicht auch der Volksmund seinen Witz am Thema geübt, als er den „Goldenen Handschuh“, das St.-Pauli-Lokal, in dem Honka seine Opfer gefunden haben soll, in „Honka-Stuben“ umbenannte?

Honka ist wieder in aller Munde, denn nun wird ihm vor der Großen Strafkammer 21 beim Hamburger Landgericht der Prozeß gemacht. Unter Publikumsandrang, versteht sich. Unter nicht minder selbstverständlicher Aufmerksamkeit der Medien. Und es erscheinen keineswegs nur Sensationsberichte. Es gibt auch wohl abgewogene Darstellungen zu lesen. Wer nur will, kann an ihnen sein Honka-Bild korrigieren. Nicht der Triebmörder mit den „Händen wie Schaufeln“ wird da gezeigt, sondern ein Mensch, über den zu urteilen schwerfällt, weil, der Abgrund, in dem er gelebt hat, so schwer zu ermessen ist.