Beachtlich

„Bugsy Malone“ von Alan Parker war für viele Kritiker eine der Überraschungen des diesjährigen Festivals von Cannes: eine stilsichere Parodie auf den amerikanischen Gangsterfilm der dreißiger Jahre, hinreißend gespielt, gesungen und getanzt ausschließlich von Kindern. Doch obwohl aus den Maschinenpistolen der minderjährigen Al Capones und John Dillingers nur Schlagsahne abgefeuert wird, ist „Bugsy Malone“ keineswegs nur ein Film für Kinder. Das erotische Flair der dreizehnjährigen Hauptdarstellerin Jodie Foster, die man auch in Scorseses „Taxidriver“ sehen konnte, führt der Regisseur mit viel Sinn für subtile Dekadenz vor. Sicher ist „Bugsy Malone“ einer der besten englischen Filme der letzten Jahre, auch wenn der bei uns noch unbekannte Parker den Fehler macht, etliche seiner hübschen Gags allzu oft zu wiederholen,

Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Der letzte der harten Männer“ von Andrew V. McLaglen. Zum Erben John Fords ist er trotz aller Anstrengung („McLintock“, 1963) nicht geworden, doch zum soliden Routinier vom Schlage eines Ray Enright: Andrew V. McLaglen, Sohn des John-Ford-Schauspielers Victor, der letzte der amerikanischen Western-Spezialisten. Bei dieser im Arizona des Jahres 1909 angesiedelten Story zweier alter Widersacher (Charlton Heston und James Coburn), die im Verlauf der Handlung einander immer ähnlicher werden, stört allerdings das Schielen auf gängige Kinotrends. Ein Mann sieht rot im nicht mehr so wilden Westen, weil seine Tochter vergewaltigt wurde. Nicht von ungefähr: Die Romanvorlage stammt auch hier von Brian Garfield. Helmut W. Banz

„Buster und Billie“ von Daniel Petri. Eine Ausgrabung der Arbeitsgemeinschaft Kino aus dem Jahre 1972: achtzig Minuten lang ein rustikales Idyll voll von nostalgischen Stimmungen, ein sanfter Blick auf die amerikanische Jugend der späten vierziger Jahre, eine zarte Romanze zwischen einem schönen Jungen und einem Mauerblümchen. Dann ein jäher Stimmungswechsel: Die Chronik der frühen Gefühle entwickelt sich reichlich unmotiviert zum ausgepicht sadistischen Selbstjustiz-Drama. Daniel Petri hat diesen seltsamen Zwitter aus „American Graffiti“ und „Ein Mann sieht rot“, die beide später gedreht wurden, ebenso effektvoll wie unpersönlich inszeniert. Ein überflüssiger Import, wenn man bedenkt, daß noch immer einige der wichtigsten Filme des Neuen Hollywood bei uns unbekannt sind: Von Dennis Hoppers „The Last Movie“ bis zu Henry Jagloms „Tracks“.

Hans C. Blumenberg