Noch verschweigt Strauß seine wahren Motive. Doch logisch wäre nur eine Absicht: die vierte Partei

Der Coup von Kreuth – die CSU-Oberen wiegeln ab, das Parteivolk muckt auf

Von Nina Grunenberg

München, im November

Als die Bombe am Freitagmittag explodierte, warfen sich erfahrene CSU-Taktiker sofort zu Boden. Übers. Wochenende untersuchten sie als erstes ihre Glieder, um festzustellen, ob sie unversehrt geblieben waren. Am Montag begannen sie vorsichtig nachzuforschen, aus welchem Grunde es am 19. November zu der Gewalttat von, Wildbad Kreuth gekommen war.

Nur ein kultivierter Gemütsmensch wie der bayerische Landtagspräsident Rudolf Hanauer brachte am Freitagabend noch die Gelassenheit auf, die Föhnlage über den altbairischen Bergen für das Ereignis verantwortlich zu machen. Ein CSU-Mann aus dem Parteivorstand, der die Scheidungsmeldung der CSU von der CDU im Autoradio hörte, glaubte, einem DDR-Sender für Desinformation aufgesessen zu sein.

Die Geheimhaltung, die jene Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Kreuther Schloß der Wittelsbacher umgeben hatte, war so strikt gewesen, und die 50 (von insgesamt 53) Abgeordneten der CSU hatten sich hinterher so schnell dünn gemacht, daß der Rest der Partei, inklusive des Vorstandes, bei der Rekonstruktion des Geschehens auf den Spürsinn der Journalisten angewiesen war.