Von Klaus-Peter Schmid

Eigentlich sollte das Konferenzzentrum in der vornehmen Pariser Avenue Kleber am 15. Dezember wieder einmal ein paar große Tage erleben: Die 27 Teilnehmer des Nord-Süd-Dialogs wollten die Ergebnisse ihrer einjährigen Diskussionen absegnen. So hatten sie es jedenfalls vor zwölf Monaten einmütig beschlossen. Doch aus dem großen Ereignis wird wohl nichts werden – mangels Ergebnissen.

Große Erwartungen ruhten auf der Konferenz über internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit (KIWZ). Der Vater der Idee, Frankreichs Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing, sah in ihr die Möglichkeit, den Grundstein für eine neue Weltwirtschaftsordnung zu legen. Nach der Ölkrise von 1973 predigte Giscard Konzertation statt Konfrontation und konnte sich über mangelndes Echo nicht beklagen. Was zunächst als Diskussion über Energiefragen gedacht war, wurde bald auf alle Rohstoffe ausgedehnt und konstituierte sich schließlich als Dialog zwischen Arm und Reich, zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern.

Zufrieden stellte die UN vor einem Jahr fest, es würden Themen beraten, "die von universeller Bedeutung sind und die Interessen der gesamten Völkergemeinschaft angehen". Doch heute zeigt sich, daß weniger mit Sicherheit mehr ge- . wesen wäre. Obwohl die vier Sicherheit Kommissionen (Energie, Rohstoffe, Entwicklungsfragen, Finanzierung) sich fast jeden Monat in Paris zusammensetzen, kam es über die Fülle der Probleme zu keinen konkreten Lösungsvorschlägen.

Bis zu den Sommerferien beschränkten sich die Debatten weitgehend auf Verfahrensfragen. Ein Kommissionsmitglied erklärte damals der ZEIT: "Der Boxkampf zwischen Arm und Reich war bisher nur ein Sparringstraining, bei dem jeder abtastet, wie stark die Muskeln des Gegners sind." Es war bis zum Herbst sogar weitgehend offen, welche Probleme überhaupt gelöst werden sollten. Kein Wunder, daß die letzten drei Monate nicht reichten, um zu den Problemen auch noch die Lösungen zu finden.

Am Ausgang der November-Runde wurde schließlich Tag und Nacht nur noch darüber beraten, wie ein Eklat verhindert werden könne. Ein frustrierter Sitzungsteilnehmer: "Bei der ganzen Geschichte geht es nur noch darum, daß niemand den Antrag auf Vertagung stellen will, um nicht den Schwarzen Peter zu bekommen." Als die Delegierten Paris in der vergangenen Woche verließen, hatte man sich nicht einmal darüber einigen können, daß man uneins sei. Daher galt der 15. Dezember nach wie vor als offizieller Termin für eine Konferenz auf Ministerebene. Doch gleichzeitig klagte der Venezolaner Manuel Perez Guerrero als Sprecher der Dritten Welt über die mageren Resultate der einjährigen Arbeit.

In der Tat ist an einen positiven Abschluß des Dialogs vorerst nicht zu denken. Denn keines der Probleme ist auch nur annähernd entscheidungsreif. Bisher existiert nur eine Reihe von Arbeitspapieren, deren größte Gemeinsamkeit die großzügige, Verwendung von Klammern ist. Denn in diesen Papieren werden so viele Alternativformulierungen präsentiert, daß manches Dokument praktisch zwei unterschiedliche Texte enthält. Konkret sieht das etwa so aus: