Fritz Honka und der Streit um seine Sachverständigen

Von Jost Nolte

Ein Wort geht um und stiftet Verwirrung. Es entstammt dem Paragraphen 211, der gleichlautend aus dem alten in das neue Strafgesetzbuch übernommen worden ist. Das Wort lautet Mordlust. Im Hamburger Honka-Prozeß liegt die bemooste Vokabel auf Justiziens Waage. Erweisen soll sich, ob das Wort einem zeitgemäßen Rechtsverständnis und den eingestandenermaßen immer noch begrenzten, aber doch fortschreitenden Einsichten in die menschliche Seele dienlich sein kann.

Nicht ein Jurist hat auf jenes Wort zurückgegriffen. Es war der Psychiater Professor Dr. Werner Krause, der in seinem Gutachten in den Taten des Angeklagten keine Lustmorde, sondern Mordlüste zu erkennen meinte. Unter der Wirkung von erheblichen Alkoholmengen, so befand der Sachverständige, habe Fritz Honka Aggressionen entwickelt und an „relativ hilflosen weiblichen Personen“ ausgelassen. Mitgespielt habe Honkas Bedürfnis, die überlegene Rolle des Mannes herauszukehren. Am Ende habe er sich gar als Herrn über Leben und Tod“ gesehen.

Wie problematisch seine Aussage war, wußte auch der Sachverständige. Er verwies darauf, daß Mordlust selten angeklagt werde. Einmal sei sie schwer zu fassen, zum anderen sei sie vor allem bei „männlichen Menschen“ sehr verbreitet, ohne für kriminell genommen zu werden. Wer sinnlos Spatzen tote, handle aus Mordlust. Wer aus anderen Gründen als der Nahrungssuche Rehe jage, handle aus Mordlust. Wer sich – wie jetzt gerade in Salt Lake City – zu einem Exekutionskommando melde, handle aus Mordlust.

Werner Krause sagte noch mehr, was dazu anregen könnte und müßte, menschliches Verhalten von Grund auf zu überdenken, aber Mordlust blieb das wichtigste Wort. Worum es sich bei ihr juristisch handelt, sagte einer der Verteidiger, indem er eine höchstrichterliche Definition zitierte: Mordlust ist die unnatürliche Freude am Toten. Die sich aufdrängende Frage, Was demgegenüber die natürliche Freude am Töten sein mag, fiel nicht.

Gutachter-Spekulationen