In der Bundesliga dominieren die hochbezahlten Stars aus Übersee

Von Karl Morgenstern

Der SSV Hagen ließ sich vor Jahresfrist kurzfristig den 2,08 Meter großen Amerikaner Clintman vermitteln und brachte mit seiner Hilfe und dank der außergewöhnlichen Wurfleistungen des unter deutschen Basketballkörben schon länger heimischen Robert „Pinky“ Smith aus San Diego das bemerkenswerte Kunststück fertig, als erste deutsche Mannschaft das Viertelfinale im Basketball-Europacup zu erreichen. Was dem Verein aus der „heimlichen Hauptstadt“ des bundesdeutschen Basketballs vor einem Jahr recht war, ist dem Deutschen Meister TuS 04 Leverkusen ohnehin längst billig. Also sorgte er mit amerikanischer Schützenhilfe im diesjährigen Europacup für eine beispiellose Sensation: TuS 04 Leverkusen mit Heide Rosendahls amerikanischem Ehemann John Ecker, dem 24jährigen Ballartisten Greg Lee – einen Spielgestalter seines Formats hat es hierzulande noch nicht gegeben –, Deutschlands bestem Werfer Rudi Kleen und Center Norbert Thimm, der als erster Deutscher schon einmal die rauhe Profi-Luft der Pseudo-Amateure von Real Madrid geatmet und dort wertvolle Erfahrungen gesammelt hat, schlug daheim den fünffachen Europacup-Sieger aus Italien, Mobilgiri Varese, mit 103:86.

Dergleichen wäre – als Prophetie noch vor drei oder vier Jahren ins Land der schönen, aber fernen Märchen verwiesen worden. Daß die italienischen Profis und ihre amerikanischen Gastspieler – selbstverständlich spielen Italiens Ballkünstler auch im Zeichen der fünf olympischen Ringe – am Ende trotzdem die Runde der letzten Sechs erreichten, weil sie daheim den Spieß umdrehten, ändert nichts, an der Leistung der Westdeutschen. Noch finden die Finalrunden im Basketball-Europacup ohne die Deutschen statt, aber die führenden Vereine des Deutschen Basketball-Bundes haben Boden gutgemacht, sind international akzeptiert und respektiert – und spielen das Spielchen mit hochdotierten amerikanischen Importen mit.

Es gibt heute keinen Verein in der ersten und zweiten Bundesliga mehr – und das sind immerhin 29 Mannschaften –, der ohne ausländische Basketballkünstler anzutreten wagt. Auch die niedersächsische „Dorfmannschaft“ vom TSV Quakenbrück, Hecht im Karpfenteich der zweiten Bundesliga Nord, hat sich die Dienste eines Amerikaners gesichert. Wer Meister werden will, braucht seinen Amerikaner, wer den Abstieg verhindern will, kann auf seine „farbige Perle“ nicht verzichten, wer den Aufstieg schaffen will, glaubt es ohne Ausländer nicht zu können, und wer schließlich nicht drittklassig werden will, sucht seine Zuflucht ebenfalls bei den Zaubereien aus Übersee. So einfach ist das – und gewöhnlich sehr teuer.

Doch die Regeln des Deutschen Basketball Bundes sind streng und kennen kein Erbarmen. Pro Mannschaft und pro Saison dürfen nur zwei Ausländer spielen, doch pro Spiel darf nur ein Ausländer eingesetzt werden. Nur im Europacup ist alles ganz anders. Da dürfen – zum großen Kummer der in den sechziger Jahren oft dominierenden osteuropäischen Mannschaften, die auf amerikanische Schützenhilfe verzichten müssen – pro Spiel zwei Ausländer mitwirken. Also spielte TuS 04 Leverkusen im Europacup mit John Ecker und Greg Lee und muß jetzt mit dem Problem fertig werden, in den Punktspielen der Bundesliga die beiden Amerikaner nur abwechselnd einsetzen zu können. Das führt zu der grotesken und die sportliche Szene verfälschenden Situation, daß die zweite, Mannschaft des TuS 04 Leverkusen den Franz Beckenbauer des Basketball, Greg Lee, der ebenfalls seinesgleichen in der Bundesrepublik sucht, hin und wieder in der drittklassigen Regionalliga West mitspielen läßt. Das wäre nichts anderes, als wenn Kaiser Franz hin und wieder bei den Amateuren des FC Bayern München um Punkte kämpfen würde.

Was in den Niederlanden, Belgien, Italien, Frankreich und vor allem Spanien schon seit 15 bis 20 Jahren Brauch ist, gilt nun auch hierzulande. Amerikas zweit- und drittklassige Amateure, die zu Hause keinen Profi-Vertrag erhalten, weil es dort noch wesentlich bessere Ballkünstler und sprunggewaltigere Riesen gibt, haben den europäischen Markt erobert.