Von Jost Nolte

Hamburg Fritz Honka ist wegen Mordes in einem Fall und Totschlags in drei Fällen, begangen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit, zu einer Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren verurteilt worden. Seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde angeordnet.

Zugute kommt Honka damit der Paragraph 67 des Strafgesetzbuches. Danach kann die Maßregel, also die psychiatrische Behandlung, vor der Strafe vollzogen werden. Behandelt werden soll Honkas schwere seelische Abartigkeit. Ihr hat das Gericht Krankheitswert beigemessen, und sie hat das Urteil ermöglicht.

Es war vermutlich das beste Urteil, das zu sprechen war. Es nimmt die Taten als das, was sie waren: als Verbrechen, von deren Gewicht nichts abzuhandeln ist und auf die die Gesellschaft mit der Strenge des Gesetzes antworten muß. Das Urteil stellt aber auch die hoch abenorme Persönlichkeit des Angeklagten in Rechnung, Darüber hinaus scheint es praktikabel: Heilen die Ärzte Honka vor dem Ende der Strafe, muß er den dann anstehenden Rest der fünfzehn Jahre absitzen. Hellen sie ihn nicht, bleibt er bis zum Ende seiner Tage in medizinischer Obhut.

Nicht nur das Urteil, der ganze Prozeß verdient Respekt. Ihm haftete nichts von jener schleimigen Sensationsmache an, die der Fall vor anderthalb Jahren auslöste, als die vier Frauenleichen oder ihre Reste in der Zeißstraße von Hamburg-Ottensen entdeckt worden, waren. Der Vorsitzende Richter Reimer Hadenfeld hat die Verhandlung vom ersten bis zum letzten Tage so geführt, daß kein ernsthaftes Argument verschwendet schien. Wenn etwas – wie die Hinzuziehung eines weiteren Sachverständigen – strittig blieb, so erwies spätestens das Urteil, daß es sich das Gericht mit keiner Frage leichtmachte,

Die Staatsanwaltschaft hatte Mord in vier Fällen angeklagt und blieb dabei. Das sollte eine lebenslängliche Strafe bedeuten. Selbst wenn am Tatverlauf, wie ihn die Anklage sah, an, einer Art von Vergewaltigungsmord, letzte Zweifel nicht ausgeräumt waren, sollte doch durchschlagen, daß Honka am Morgen Duftsteine über seine Leichen gestreut und sich am Abend neue Opfer in die Wohnung geholt hatte. Wer sollte dergleichen tun, wenn nicht ein Mörder?

Auch die Verteidigung griff auf die Geständnisse zurück, die Honka vor der Polizei abgelegt hatte und von denen er dann in der Hauptverhandlung abgerückt: war. Doch die Opfer, so sahen es die Rechtsanwälte Rolf Bossi und Gunter Widmaier, hatten Honka durch schwere Kränkung provoziert. Dies habe Honka gesagt, als er zugab, die Frauen getötet zu haben, und wer ihm das eine glaube, müsse ihm das andere, abnehmen. Das waren von seiten der Verteidigung wie der Staatsanwaltschaft Versuche, aus Honkas lückenhaften Geständnissen die „juristische Mitte zu konstruieren. Die höchste begrenzte Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren schien dabei kaum günstiger für den Angeklagten als der lebenslängliche Freiheitsentzug. Honka hatte bei milderer Strafe mit Sicherheitsverwahrung oder – der wenig aussichtsreicheren Einweisung in die