Beachtlich

„Her mit den kleinen Engländerinnen“ von Michel Lang. Nur widerstrebend lassen sich zwei Prüfungsgeschädigte französische Oberschüler von ihren Eltern zu einem Sommerkurs nach England schicken, um dort ihre unzulänglichen Sprachkenntnisse zu vervollständigen. Doch die Interessen Alains und Jean-Pierres, die sich in einem kleinen Seebad bald in einer internationalen Kolonie halbwüchsiger Leidensgefährten wiederfinden, gelten eher Zielen, die selbst mit rudimentärer Grammatik und beschränktem Wortschatz erreichbar sind: Erste Fingerübungen in praktischer Völkerverständigung auf Knutsch-Partys, tastende Tanzschritte mit den „kleinen Engländerinnen“. Fröhlich zitiert Lang die Klischees eines ersten Auslandsaufenthaltes, macht sich liebenswert lustig über die kleinen nationalen Vorurteile. Vom ersten Bier und erster Übelkeit auf der Kanalfähre bis zu den verständnislos herzlichen Gast-Eltern, von der manchmal absonderlichen englischen Küche bis zur Flucht vor der ebenso hartnäckigen wie unattraktiven Haustochter dürfte der Film für viele Zuschauer einen hohen komischen Wiedererkennungswert besitzen. Wenn Lang auch Grausamkeiten und Tragödien der Pubertät nicht vergißt, so beobachtet er doch mit Vorliebe heitere Episoden, heiter zumindest in der Rückschau. Keine Nostalgie à la Bogdanovichs „Letzter Vorstellung“, wenig Sentiment wie in Mulligans „Frühling einen Sommer lang“ oder in „American Graffiti“ von Lucas. Statt dessen einer der lustigsten Filme, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Bodo Fründt

Mittelmäßig

„Und morgen wird ein Ding gedreht“ von Mark Rydell. Eigentlich wollten Harry und Walter (James Caan und Elliot Gould), zwei Varietekünstler aus der amerikanischen Provinz, den Broadway erobern. Statt dessen landen sie im Gefängnis, machen die Bekanntschaft eines Gentleman-Diebs (Michael Caine) und einer radikalen Zeitungsherausgeberin (Diane Keaton) – und knacken eine Bank. Eigentlich stimmen alle Voraussetzungen für einen Kinoerfolg: ein Kleeblatt bewährter Stars; eine amüsante Story von John Byrum („Nahaufnahme“) und Robert Kaufman; annehmbare Musiknummern von David Shire; gute Kameraarbeit (Laszlo Kovacs) und exzellente Ausstattung (Harry Horner). Daß das Resultat dennoch schlechter ist als diese Einzelleistungen, liegt an Mark Rydells Inszenierung, die zwischen nostalgischer Hommage ans Vaudeville-Theater der Jahrhundertwende, ironischem Slapstick und halbherzigem Plagiat von George Roy Hills „The Sting – Der Clou“ pendelt. Ergo wissen auch Caan und Gould nicht, ob sie Laurel und Hardy imitieren wollen oder Redford und Newman persiflieren sollen. So bleiben sie blasse Boys in the Band, denen der Dirigent fehlt. Helmut W. Banz

Ärgerlich

„Mein Name ist Gator“ von Burt Reynolds. Kaum ein Hollywood-Star von einigem Renommee konnte bislang der Versuchung widerstehen, zur Abwechslung selber mal den Regisseur zu spielen. Meisterwerke wie Charles Laughtons „Die Nacht des Jägers“ blieben dabei die Ausnahme, doch Schauspieler wie Jack Lemmon („Kotch“), Burt Lancaster („Der Mann aus Kentucky“) und George C. Scott („Die Rache ist mein“) erwiesen sich immerhin als achtbare Regisseure mit einem durchaus eigenständigen Stil. Burt Reynolds dagegen läßt in seinem Regiedebüt nichts von jener lässigen Grazie ahnen, die er gelegentlich als Darsteller besitzt, Die vom deutschen Verleih annoncierte „spannend-heiße Sache – um einen knallharten Burschen“, den Reynolds natürlich auch selber spielt, erweist sich als rüde Action-Plotte aus dem tiefen Süden: eine unbekömmliche Mixtur aus zynischer „violence“, triefender Sentimentalität und viel Folklore, in der selbst so versierte Könner wie Jack Weston, Lauren Hutton und Jerry Reed untergehen. Hans C. Blumenberg

Empfehlenswerte Filme

„Mado“ von Claude Sautet. „Der aufrechte Gang“ von Christian Ziewer.