Die mittelamerikanische Republik El Salvador hat am 20. Februar einen neuen Präsidenten gewählt. Die Proteste der Opposition, die sich betrogen fühlt, dauerten zu Wochenbeginn noch an.

Ein böses Sprichwort im Kaffeestaat lautet: „Die Opposition kann die Wahlen gewinnen, aber die Regierung gewinnt immer die Stimmenauszählung. Das galt 1972 und gilt auch heute: Die seit 15 Jahren regierende „Nationale Versöhnungspartei“ (PNC) hat nach dem offiziellen Ergebnis ihren Kandidaten, den weit rechtsstehenden General Carlos Humberto Romero, durchgebracht – ganz im Sinne der Armee, die seit 40 Jahren das 4,5-Millionen-Land beherrscht und zu ihren Zwecken die PNC gründete.

Gegen diesen Entscheid läuft das Drei-Parteien-Oppositionsbündnis, von den Christdemokraten angeführt und politisch Mitte-links angesiedelt, Sturm. Nach einem Generalstreik, Unruhen und Zusammenstößen mit der Polizei, die eine unbekannte Zahl von Menschenleben forderten, verhängte die Regierung am Montag für 30 Tage den Belagerungszustand. Der parteilose Oberst Ernesto Claramount, unterlegener Kandidat, wurde des Landes verwiesen und flüchtete nach Costa Rica.

Unruhen und soziale Spannungen sind in El Salvador an der Tagesordnung. Eine extrem ungerechte Verteilung des kultivierbaren Bodens – zwei Prozent Eigentümer besitzen rund 58 Prozent des Landes –, die wachsende Verelendung der 2,7 Millionen Kleinbauern und Tagelöhner und die unbeschränkte wirtschaftliche Herrschaft der „14 großen Familien“ hat schon häufiger zu Revolten geführt. Über 90 Prozent der schulpflichtigen Kinder, so klagte der Erzbischof von San Salvador an, sind unterernährt.

Zaghafte Versuche einer Bodenreform, nach der 250 Großgrundbesitzer 58 000 Hektar gegen fürstliche Entschädigungen an 12 000 Bauernfamilien abgeben sollten, scheiterten am Einspruch der Oligarchie – und zwar in erster Linie, wie kolportiert wird, weil der Wahlsieger General Romero damals sein Veto einlegte. Die Armee ist in einer starken Position: Trotz seiner Armut leistet sich El Salvador seit Jahren einen kleinen Grenzkrieg mit seinem Nachbarn Honduras. Immer wieder werden Scharmützel gemeldet, und trotz internationaler Vermittlung kann dieser Kriegszustand nicht gütlich beigelegt werden. -bi.