Von Hans Mayer

Nein, von den Lehrern jener Städtischen Anstalt zu Köln am Rhein, das sich damals noch Colli schrieb, soll die Rede nicht sein. Das war ein Humanistisches Gymnasium mit viel Latein, auch ziemlich viel Griechisch (vier Wochenstunden), ein bißchen Französisch, das ein Westfale mit etwas sonderbarer Aussprache zu lehren pflegte, und noch weniger Englisch. Physik war Nebenfach, und so blieb mir, zumal Widerwille im Spiel war, die Struktur eines Rundfunkapparates bis heute ein Wunder. Chemie wurde nicht unterrichtet. Beim Abitur mußte man eine Stelle aus dem Thukydides als schriftliche Arbeit abliefern, was ich gut gelernt hatte, um es – leider – rasch wieder zu verlernen. Die schriftliche Arbeit im Fach Latein bestand in der Übersetzung eines Leitartikels der „Kölnischen Zeitung“ ins Lateinische.

Das nimmt sich eindrucksvoll aus, war aber bloßer Firlefanz. Die Schule hatte offenbar drei Themenvorschläge eingereicht und mit uns ein halbes Jahr sämtliche Wendungen durchgepaukt. Alle in der Klasse wußten, worum es ging. Als der Text am Prüfungsmorgen verkündet wurde, herrschte nicht Entsetzen, sondern Lustigkeit. Die Prosa jenes Zeitungsartikels mitsamt den schrulligen lateinischen Wendungen, die als Übersetzung in Frage kamen, kannten wir in- und auswendig. Die einzige Gefahr, die drohte, bestand in falschen Konjunktiven.

Den Abiturientenaufsatz (fünf Stunden) schrieb ich über das einzig vorgelegte Thema: „Ist Goethes Egmont ein Freiheitsheld?“ Wenn so gefragt wurde in preußischen Schulen, hatte man positiv zu antworten. Ich bewies das freiheitliche Heldentum Egmonts, und so war auch das getan.

Ein anderer Schulaufsatz von mir ist literarisch irgendwie auf die Nachwelt gekommen. Wir hatten – das war wohl in der Obersekunda – die sinnige Frage zu beantworten: „Was ist uns Deutschen der Wald?“ Die besonders törichte Frage ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Darüber berichtete ich einmal im Gespräch mit dem Lyriker Erich Fried. Der schrieb dann meinen Schulaufsatz noch einmal: aber als Gedicht. Darin finden sich folgende Zeilen der Antwort auf die Frage, was „uns Deutschen“ der Wald sei:

Ein Grund in ihm zu lieben und in ihm zu schießen ihn tief ins Herz und für den Durchgang zu schließen.

Von einzelnen Lehrern zu sprechen, hat wenig Sinn. Sie waren weder vom bösartigen Format eines Professor Unrat, noch Anreger zur Wissenschaft oder gar zur Kunst. Erinnert wurde der Satz eines Elsässers, der nach 1918 für Deutschland optierte, von den Franzosen folglich ausgewiesen wurde und nun bei jeder Geegenheit sein politisches Ressentiment spüren ließ. Zu mir sagte er einmal, als es Ärger gab mit meinen Leistungen in Mathematik: „Sie sind auch einer von den