Bei der Stadtsparkasse Hannover haben auch die Kontrolleure versagt

Die Sparkassen in der Bundesrepublik sind an einem einheitlichen Symbol erkennbar. Ein großes S steht für das jeweils gemeinde- oder kreiseigene Geldinstitut. In der Werbung symbolisiert ein Geldstück, wie in eine Spardose von oben in das S eingesteckt, die Aufgabe der Kassen: Geld verwalten sie, das Geld vor allem der Kleinsparer. Sie sollen es mehren.

Hannovers Stadtsparkasse muß sich seit einiger Zeit eine neue Deutung des geldschluckenden Großbuchstabens gefallen lassen. „Was oben reingeht“, spottete ein verbitterter Ratsherr, „fällt unten munter wieder durch.“ Seit einigen Jahren fiel „unten“ soviel durch, daß die Stadtsparkasse Hannover für 1976 eine Deckungslücke von 60 Millionen Mark eingestehen mußte.

Warum das früher renommierte Institut in Turbulenzen geriet, steht jetzt amtlich fest. Ein vom Regierungspräsidenten gerade veröffentlichter Bericht über eine von ihm veranlaßte Sonderrüfung spricht nämlich deutliche Worte: „Außerordentlich leichtfertig“ habe man bei der Kreditvergabe gehandelt. Auf der Chefetage seien „in gröbster Weise Rechtsvorschriften verletzt“ worden.

Von dem schonungslosen Papier der Prüfer stieg sogar ein Geruch von Ruin auf. Um die Stadtsparkasse rasch aus der Diskussion zu ziehen, zeigten sich Hannovers Politiker spendabel. Die Norddeutsche Landesbank bot eine Bilanzhilfe an. Sie, gilt als Ausfallgarantie bis zu einer Höhe von 30 Millionen Mark. Die Stadt als Gewährträger der Kasse schießt in diesem Jahr 20 Millionen zu, 1978 noch einmal zehn Millionen Mark. Aber auch das Eigenkapital muß demnächst angehoben werden. In den vergangenen beiden Jahren schaffte die Stadtsparkasse diese Basisfestigung nicht. Schon 1975 nagten Wertberichtigungen und Abschreibungen an den Rücklagen und stillen Reserven.

Nicht etwa schlechte Zeiten, sondern eine bedenkliche Betriebsführung und eine mangelhafte Aufsicht ließen das Sparsäckel schlaff werden. Hinter dem hannoverschen Bahnhof steht schon das Denkmal für den Sturz der Kasse, ein gigantomanes Gebäude für die Hauptverwaltung. 113 Millionen Mark wurden dort unübersehbar klotzig aufeinandergestapelt. Des Präsidenten Kassenprüfer meinen, man hätte das alles viel preiswerter haben können. Die Kosten deckten sich nicht mit den Leistungen der Baufirmen.

Maßgeblich beteiligte sich der frühere Generaldirektor Willy Fascher am üppigen Geldausgeben. Fascher, 1962 als Mitglied der SPD vom Amtmann und Zweigstellenleiter auf den Chefsessel der Stadtsparkasse gehoben, wurde schon Anfang 1976 beurlaubt und entlassen.