Der Mann ging mit einem braunen Spazierstock über dem Arm auf eine der Filzlängen zu und zog die braunen Handschuhe an. Dann hüllte er sich in den Filz ein bis hoch über den Hut hinaus, bis nichts anderes als der hochgehaltene Spazierstock, sein gebogenes Ende nach oben gestreckt, aus dem grauen Zelt aufragte. Ein hieratisches Image, aufrecht und entfernt, der klare Umriß einer hohen Hirtengestalt, eine augenblickliche Erscheinung in den Weiten der Steppe. Der fahle Umriß von Filz und Stock war auch eine plastische Gestalt, und wie eine Plastik durchlief sie aufeinanderfolgende Formen und Zustände: vertikal, die Krücke nach oben zeigend; rechtwinklig gebogen, Krücke zum Boden; aufrecht niederkauend wie auf lange Wartezeit vorbereitet, dann erneutes Kauern, der Stock gegen den Boden geneigt. Die ganze Zeit über bewegte sich die Gestalt leise um ihre Achse, den Laufrichtungen und den Bewegungen des Kojoten folgend. Dann wurde die friedliche Stille und das langsame Gehen der Zeit abrupt zerschlagen. Die Figur fiel seitwärts auf den Boden, in einen starren, in Filz verhüllten Körper verwandelt, Erinnerung an ein anderes Ereignis im Leben des Mannes, ein verwundbares Objekt.

In dieser "Unergründlichkeit" aber sind seine Arbeiten auch der "Erosion" des Geistes und gleichzeitig (und bewußt) auch der Natur ausgesetzt. Die Bedingungen oder Möglichkeiten werden so zugleich auch die Grenzen solcher Vorstellungen. Es geht nicht mehr um die Dinge selbst, als vielmehr um das Warum und Wie des Tuns; oder: hier wird der Schritt vom Objekt zum System vollzogen – der Kontext solchen ästhetischen Tuns aber ist nicht mehr ein Postulat, sondern das Faktische; die Resultate einer solchen Verinnerlichung des Kontextes in die Arbeit (siehe z. B. die Mirror Displacements) sind Gesten, die den Wert ästhetischer Selektionen negieren. Alles wird bedeutsam, nicht zuletzt auch, weil es verfügbar ist.

Sgit beinahe zwei Jahrzehnten begreifen wir das, was er tut, als Avantgarde. Keines seiner Unternehmen verzichtet bis heute auf experimentellen Charakter: ihr Ausgang, ihr Gelingen ist offen. Er mag sich manchmal verrennen, in die Irre gehen, er wiederholt sich nicht, und er reproduziert sich nicht. Er ist nach der Arbeit von fast zwanzig Jahren noch immer nicht angekommen, er ist nicht arriviert. Wenn es heute überhaupt noch irgendwo so etwas wie Avantgarde gibt (woran die Auguren gern zweifeln), gehört er mit gutem Recht dazu, noch immer und trotz allem. Das ist ein eigenartiges, vielleicht sogar ein einmaliges Phänomen.

"Wildes Denken" hilft gegen die Langeweile im Kunstbetrieb. (Stätte der Begegnung bis 1. 4., der immaterielle Katalog wird für 85 Mark fernmündlich übermittelt.)

(Wir danken den Leihgebern, die ungenannt bleiben wollten, für ihre Unterstützung.)