Der Kleinkrieg des gewerkschaftlichen Großunternehmens Neue Heimat mit seinen Mietern

Von Petra-Monika Jander

Gegen die Vampire der Neuen Heimat" sollte eine Knoblauchknolle schützen, die besorgte Studenten der Ruhruniversität im Bochumer uni-center nachts an eine Wohnungstür hefteten. Der Mieter, Anton Schlüter, als Bibliothekar der katholischen Fakultät mit Metaphysischem durchaus vertraut, entfernte zwar die Widmung, das aromatische Hausmittel gegen transsylvanische Blutsauger ließ er jedoch hängen. Es half nichts.

Im Gegenteil; Die Neue Heimat – seit längerem im juristischen Clinch mit Schlüter, weil dieser die Miete minderte (Streitwert: 17,88 Mark) – nutzte "die Zwiebel, es mag auch ein anderes Gewächs sein", als Munition beim Gegenschlag. Die Rechtsanwälte des Konzerns: "Falls der Beklagte des mietwidrige Verhalten fortsetzt, muß er damit rechnen, daß das zwischen den Parteien bestehende Mietverhältnis gekündigt wird, gegebenenfalls fristlos."

Das Kuriosum hat Methode. Deutschlands größtem Vermieter – der gewerkschaftseigenen Neuen Heimat mit über 300 000 Wohnungen – sind auch kleine Fälle willkommen, wenn es darum geht, aufmüpfige Mieter mit rechtlichen Mitteln zur Räson zu bringen. Der Hauptkriegsschauplatz im Streit Neue Heimat gegen Schlüter liegt denn auch anderswo Seit über zwei Jahren mindert Schlüter seine Miete wegen starker Lärmbelästigung. Rund einen Meter von seinem Bett entfernt liegt der Müllschacht des 19stöckigen Hochhauses, in dessen erstem Stock er sein Appartement hat. Vor zehn Tagen legten Fachleute des TÜV ein Gutachten vor, daß eine unzumutbare Lärmbelästigung bestätigt. Nun hat das Gericht das letzte Wort.

Kosten doppelt gerechnet

Der Fall des Bibliothekars mag einzigartig sein. Seine Behandlung durch das gemeinnützige Wohnungsunternehmen hingegen ist typisch für eine Entwicklung, die der Neuen Heimat seit einigen Jahren mehr und mehr zu schaffen macht. Ob in Bremen oder Hamburg, Dortmund oder Bochum, Mannheim oder München – überall regt sich Widerstand gegen den Mammut-Konzern, antwortet dieser mit allem juristischen Mitteln, Allein im Ruhrgebiet haben sich mehr als 35 Mieterinitiativen gebildet.