Von Marlies Menge

Studienreisende sind eine kleine Minderheit des großen allgemeinen Reisevolkes. Laut Reisenanalyse ’76 des Studienkreises für Tourismus gingen von 100 Bundesbürgern, die 1975 verreisten, nur ganze zwei auf Studienreise. Finanziell kann es ihnen nicht schlecht gehen: Immerhin müssen sie für Studienreisen innerhalb Europas runde 2000 Mark auf den Tisch des Veranstalters blättern, für Reisen außerhalb Europas zahlen sie im Durchschnitt 4000 Mark. Trotzdem sagen, die Veranstalter (es gibt etwa ein Dutzend Studienreisen-Spezialisten), daß ihre Kundschaft nicht elitär sei, daß auch Krankenschwestern und kaufmännische Angestellte mit ihnen reisen.

Um als Mitglied einer solchen Minderheit zu reisen, wurde ich selbst Studienreisender. Allerdings bestaunte ich nicht die Pyramiden oder die Akropolis, ich bin auch nicht 14 Tage lang auf einem Kamel durch die Sahara geschaukelt, ich habe eine ,,Aufenthaltsreise" gebucht. Also keine Studienreise von einer kultur- und kunsthistorischen Sehenswürdigkeit zur andern und damit von einem Hotel zum andern, wie das bei Studienreisen meist üblich ist, sondern eine beschaulichere Reise mit Ausflügen von einem bestimmten Hotel aus und mit freien Tagen zum Ausruhen. Ich hatte nämlich oft gehört, eine Studienreise sei strapaziös und langweilig, man sitze dauernd in vollgestopften Bussen neben pensionierten Studienrätinnen, die immer alles besser wissen. Da wollte ich Zeit dazwischen zum Erholen haben.

Meine Reise – eine "Aufenthaltsreise" auf den Kanarischen Inseln und Madeira – wird von den Akademischen Studienreisen Heidelberg organisiert und von sieben weiteren Studienreiseveranstaltern angeboten, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden haben ("Information": nächste Seite). Ich buchte direkt bei Athena-Reisen in Hamburg. Ich hätte auch über ein Reisebüro buchen können, wie es die meisten tun. Zum Beispiel hat Studien Veranstalter Marco Polo nur zehn Prozent Direktkunden; 90 Prozent kommen über ein Reisebüro.

Das Eigenleben der Gruppe