Reformatorischen Bestrebungen kann die katholische Kirche in der Regel wenig abgewinnen. Durchaus systemkonform sind denn auch jene Thesen, die den deutschen Katholiken zum Thema Wirtschaftswerbung einfielen. Anlaß für das branchenfremde Grundlagenpapier, das immerhin an rund 11 000 Pfarreien sowie die heimische Werbewirtschaft verteilt wird; ist der für den 22. Mai geplante Welttag der Kommunikation, der vom Vatikan ersonnen wurde.

Wirtschaftswerbung, so lauten die nicht gerade neuen Erkenntnisse der Kirchenmänner, mache erst Massenumsatz, dieser eine Massenproduktion, und zwar von billigen Waren, und somit schließlich überhaupt Massenkonsum möglich. So etwas findet den Beifall deutscher Werbemenschen – zumal die Verfasser des Papiers durchaus wissen, wovon sie reden. Sie sind eigentlich Kollegen. "Von Anfang an" nämlich haben die Christen Werbung für die eigene Sache betrieben: mit Predigtkampagnen, Kirchenbauten, Druck von Gebetbüchern, Kompositionen von Kirchenliedern.

Freilich, die Kirchenfunktionäre fanden auch Worte der Kritik: Reißerische oder gar verletzende Werbung beraube sich ihrer Wirkung. Ob es für die katholische Kirche nicht vielleicht wichtigere soziale Probleme gibt, über die es sich nachzudenken lohnt? gf