Beim größten europäischen Versandhaus regiert in Zukunft eine Familien-Troika

Von Hermann Bößenecker

Bis zuletzt wollte er genau wissen, was in seinem Reich vorging. Wenn er daraufkam, daß man ihm mit Rücksicht auf seinen schlechten Gesundheitszustand Einzelheiten vorenthielt, um ihn damit nicht zu belasten, da konnte er noch in den letzten Wochen sehr ärgerlich werden; auch seiner Frau gegenüber, selbst im Beisein Fremder. Gustav Schickedanz, der Herr über die Quelle, das größte europäische Versandhaus im fränkischen Fürth, verdrängte seine körperliche Hinfälligkeit mit dem gleichen unerschütterlichen Eigensinn, mit dem er sein Lebenswerk aufgebaut hatte. Rastlos, dynamisch, durch niemanden zu bremsen.

Das fünfzigjährige Jubiläum seiner Unternehmensgruppe, die in diesem Jahr mit ihren 42 000 Beschäftigten mehr als acht Milliarden Mark umsetzen wird, sollte er nicht mehr erleben, so sehr er ihm entgegenfieberte. Am Sonntagabend verstarb der greise Patriarch, der in den vergangenen Jahren zwei schwere Hüftoperationen überstanden hatte, drei Tage nach einem neuen Herzanfall. 82 Jahre war er alt geworden.

Wachablösung ohne Erschütterung

Wurden schon zu seinen Lebzeiten auch in aller Öffentlichkeit immer wieder Überlegungen darüber angestellt, wie es nach seinem Tod, dem "Abschluß einer Ära" (so ein leitender Mitarbeiter) weitergehen werde, so beherrscht dieses Thema nun die Gespräche in den Chefetagen der Schickedanz-Firmen ebenso wie innerhalb des deutschen Handels, der dem Selfmademan aus der Arbeiterstadt Fürth so viele Impulse verdankt.

Nach außen hin ist alles perfekt geregelt. Seit über zwei Jahren gibt es als oberste Holding der Gruppe die Gustav und Grete Schickedanz KG, der gegenüber der "Schickedanz-Familienverein" völlig zurückgetreten ist. Als persönlich haftenden Gesellschafter dieser KG – die wieder Komplementärin der beiden Stammfirmen Großversandhaus Quelle KG und Vereinigte Papierwerke ist – fungierte neben dem verstorbenen Konzernchef schon bisher seine Gattin, die 65jährige Grete Schickedanz, und der älteste Schwiegersohn Hans Dedi, bereits 58 Jahre alt und seit einem Jahrzehnt "Kronprinz".