Seit den sechziger Jahren scheint sich in wichtigen Industrieländern jedoch abzuzeichnen, daß bahnbrechende technologische Innovationen immer seltener werden. Eine Untersuchung in den Vereinigten Staaten zeigt, daß die Innovationen, die als technologischer Durchbruch angesehen werden können, in der Periode 1967 bis 1973 nur noch halb so zahlreich waren wie in der Periode 1953 bis 1959. Viele Beobachter meinen bereits die Gefahr einer Innovationslücke zu erkennen, die als Kennzeichen für die Abschwungsphasen eines Kondratieff-Zyklus angesehen wird.

Es kann freilich anders kommen. Welche ökonomischen Auswirkungen der elektronische Mikroprozessor beispielsweise haben wird, darüber kann nur spekuliert werden. Für die unmittelbar vor uns liegende wirtschaftspolitische Aufgabe bleibt festzuhalten, daß sich im Verlauf der Rezession ein Stau an unbewältigtem Strukturwandel herausgebildet hat, den es aufzulösen gilt, wenn wieder Vollbeschäftigung möglich sein soll.

Neue Arbeitsplätze müssen einer weitverbreiteten These zufolge vor allem im Dienstleistungssektor entstehen. Der Strukturwandel der letzten Jahre hat insbesondere die außenhandelsabhängige Industrie unter Anpassungszwang gesetzt, der sich nun in verstärkten Rationalisierungsmaßnahmen und Freisetzung von Arbeitskräften niederschlägt. Der Dienstleistungssektor ist dagegen arbeitsintensiver und scheint von der Nachfrageentwicklung her begünstigt zu sein. Handwerk, Verkehr, Kommunikation, Banken und Versicherung, Bildung, Unterhaltung und Gesundheit sind Bereiche, die sich auch bei hohem Lebensstandard noch zunehmender Nachfrage gegenübersehen.

Das entspricht genau dem Zukunftsbild, das uns seit Colin Clark und Jean Fourastié immer wieder suggeriert wird, nämlich jenes Drei-Sektoren-Schema, nach dem in der Frühphase der wirtschaftlichen Entwicklung die Industrie auf Kosten der Landwirtschaft und der althergebrachten Dienstleistungen expandiert, in der Reifephase dagegen ein gewandelter Dienstleistungssektor zu Lasten von Industrie und Landwirtschaft.

Die Beschäftigung im Dienstleistungssektor, die bis zur Krise noch kräftig expandierte, stagniert seither jedoch. Es wäre allerdings voreilig, auf Grund der Entwicklung der letzten Jahre eine säkulare Hypothese als falsifiziert zu betrachten. Vermessen wäre es aber auch, ein Entwicklungsmuster, das sich in längerfristiger Betrachtungsweise für viele Länder herauskristallisiert hat, zum wirtschaftspolitischen Leitbild zu erheben und etwa die staatlichen Wachstumsimpulse auf die Dienstleistungen zu konzentrieren. Die Richtung, die der künftige Strukturwandel nimmt, ist in einem marktwirtschaftlichen System immer offen und muß offen bleiben. Das verlangt, daß dem Strukturwandel, der sich aus dem Spiel der Marktkräfte ergibt, keine Hindernisse in den Weg gelegt werden.

Wachstumsfaktor Vertrauen

Eineinhalb Jahre nach dem Tiefpunkt der Rezession reicht die Nachfrage noch nicht einmal aus, alle vorhandenen Arbeitsplätze zu besetzen. Wir haben es insoweit auch mit konjunktureller Arbeitslosigkeit zu tun, das ist jener Teil, der durch Anstieg im Auslastungsgrad des vorhandenen Produktionspotentials beseitigt werden kann, indem "eingemottete" Arbeitsplätze wieder besetzt werden. Die strukturelle Arbeitslosigkeit dagegen kann nur in dem Maße verschwinden, wie im Verlauf beschleunigten Wachstums des Produktionspotentials neue Arbeitsplätze entstehen.