• Herr Kartte, Sie haben Ford, Opel und VW in einem Brief vorsorglich darauf hingewiesen, Preiserhöhungen im laufenden Modelljahr würden nach dem Mißbrauchsparagraphen 22 des Kartellgesetzes überprüft. Nun hat das Volkswagenwerk seine Preise um durchschnittlich 3,9 Prozent erhöht. Wie beurteilen Sie diese Maßnahme?

Kartte: Ich bin froh darüber, daß VW bei seiner diesjährigen Preiserhöhung nicht so zugegriffen hat, wie es von den Preissetzungsspielräumen her möglich gewesen wäre.

  • Das heißt, Sie sehen in der Preiserhöhung von 3,9 Prozent keinen Mißbrauch, der zu unmittelbaren Maßnahmen des Amtes führt, oder sind noch Prüfungen der Markt- und Kostensituation beabsichtigt?

Kartte: Ich will hier und heute nicht so weit gehen und sagen, daß wir die Dinge ohne Nachprüfung hinnehmen. Wir haben aber auf einstweilige Maßnahmen verzichtet.

  • Der SPD-Bundestagsabgeordnete Uwe Jens hat in diesem Zusammenhang von Preistreiberei gesprochen. Sie teilen diese Meinung also nicht?

Kartte: Es ist das gute Recht des Abgeordneten Dr. Jens, als Politiker zu der VW-Preiserhöhung seine Meinung zu sagen. Das Bundeskartellamt ist an das Kartellgesetz gebunden und hat danach zu prüfen, ob ein Mißbrauch einer marktbeherrschenden Stellung vorliegt oder nicht.

  • Sie wollten vor den Automobil-Preiserhöhungen keine "Preisleitlinien" geben, sondern haben nur allgemein eine Warnung von Preiserhöhungen ausgesprochen. Jetzt im nachhinein gefragt: Hätte Ihr Amt Preiserhöhungen von mehr als vier Prozent toleriert?