Von Manuel Gasser

Von den zahllosen Briefen, die Hermann Hesse im Lauf seines langen Lebens erhalten hat, schienen ihm rund 35 000 des Aufhebens wert. Davon ist bis jetzt nur ein winziger Bruchteil an die Öffentlichkeit gelangt; denn der erste, die Jahre 1895–1921 betreffende Band seiner "Gesammelten Briefe" enthält keine an Hesse gerichteten Schreiben.

Der Leser jener Briefsammlung vermißte das Echo kaum: Das Monologisieren paßte zu gut zu einem Menschen, der selbst dann, wenn er in enger Wohn- und Arbeitsgemeinschaft mit anderen lebte, in Wahrheit ein Einsiedler war.

Um so größer ist die Überraschung, den Dichter in dem Band –

Hermann Hesse – Rudolf Jakob Humm: "Briefwechsel", herausgegeben von Ursula und Volker Michels; Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 1976; 345 S., 38,– DM

in einem drei Jahrzehnte dauernden Zwiegespräch mit einem Partner zu beobachten.

Der Gedankenaustausch beginnt mit einem Brief Humms an Hesse vom 27. Februar 1929 und endet, genau besehen, mit einem erbitterten Streit der beiden Schriftsteller im Januar 1946. Anderthalb Jahre später wird die Korrespondenz wieder aufgenommen und sporadisch-unverbindlich bis Februar 1959 – drei Jahre vor Hesses Tod – weitergeführt.