Beachtlich "Ein Elefant fort sich gewaltig" von Yves Robert. Eine Komödie zum Thema "Midlife Crisis", Ausschnitte aus dem Leben von vier Männern um die vierzig: ihre Eheprobleme, ihre Ehebruchsträume, ihr Bürostreß, ihr Freizeitstreß. Mit sanfter Komik, die nie auf Kosten der Figuren geht, und einer Fülle von intelligenten Alltagsbeobachtungen erzählt der Regisseur von "Krieg der Knöpfe" und "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh" in seinem bislang besten Film viele kleine Geschichten, die einander ergänzen und kommentieren. Robert findet eine schöne Mischung aus pointierter Situationskomik und Momenten melancholischer Reflexion. Die Schauspieler, zumal Jean Rochefort, Claude Brasseur, Guy Bedos, Victor Lanoux und Annie Duperey, sind hervorragend, doch seine eigentliche Stärke besitzt der Film in dem Drehbuch von Jean-Loup Dabadie, dem komödiantischen Gegenstück zu seinem Skript für Claude Sautets melancholischen Männerfilm "Vincent, François, Paul und die anderen". Hans C. Blumenberg

Uninteressant

"Hedda Gabler" von Trevor Nunn. Wer behauptet, bei diesem Kinostück handele es sich um "verfilmtes Theater", tat dem Theater Unrecht: auf der Bühne nämlich ist in den letzten Monaten gleich zweimal (bei Peter Zadek in Bochum und bei Niels-Peter Rudolph in Berlin) die Aktualität Ibsens bewiesen worden. Trevor Nunns "Hedda Gabler"-Film wirkt dagegen bestenfalls wie ein seriöses Fernsehspiel mit konventioneller Fernsehspiel-Ästhetik: Dialoge und Repliken werden brav, in Schnitt und Gegenschnitt, optisch nachbuchstabiert. Wenn Nunn einmal versucht, Kino zu machen (Sonnenaufgänge, Menschen im Gegenlicht), wird es gleich Kintopp. Und an allen dramatischen Wendepunkten raunt und wabert Filmmusik. Nicht einmal die respektablen Darsteller der Royal Shakespeare Company können das Unternehmen retten; nicht einmal Glenda Jacksons Hedda Gabler fasziniert – zumal ihre Schauspielkunst von einer unerträglich affektierten, salondamenhaft singenden deutschen Synchronstimme gründlich vernichtet wird. In Schönheit sterben? In Bravheit gestorben.

Benjamin Henrichs

Mittelmäßig

"Gebrannte Haut" von William A. Graham. Ein einsamer Außenseiter (Cliff Potts) ergreift Partei gegen den verbohrten Rassismus der Siedler und Soldaten, die gefangene Reservationsindianer malträtieren und schließlich massakrieren. Der realistischresignative Tenor der Anfangs und Endsequenzen dieses Westens umhüllt als pseudo-harte Schale einen sehr süßlichen Kern: die Love Story eines sensiblen, sich nach Seßhaftigkeit sehnenden Schnellschützen mit einem schönen Indianermädchen (Xochitl) – von Regisseur Graham als eine Art Freikörperidylle im Wald- und Wiesengrund zelebriert "Gebrannte Haut" (im Original: "Face to the Wind") segelt im Wind von Hollywoods angestrengten Wiedergutmachungsbemühungen in bezug auf die filmische Porträtierung der Indianer – und verschenkt kritisches Engagement durch kunstgewerbliche Kameraspielereien. Das Resultat ist eine balladeske, aber recht banale Rehabilitationsromanze.

Helmut W. Bang