Die Sensation schien perfekt: Eine Super-Wanze im Telephon des Zweiten Bürgermeisters von Hamburg. Die Spekulationen schossen ins Kraut, wer hat Professor Biallas wohl abgehört? Die Sozialdemokraten, die ihren ungeliebten Koalitionspartner belauschen wollten? Oder die Verfassungsschützer, die bei Biallas linke Tendenzen befürchteten? Zwei Tage später ging dann ein erleichtertes Aufatmen durchs Rathaus. Techniker des Fernmeldetechnischen Zentralamtes Darmstadt kamen zu dem Ergebnis, daß im Telephon des Bürgermeisters ein Schaltfehler vorlag, der vermutlich bei der Fertigung des Gerätes unterlaufen ist. Und... "haben keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, daß ein Abhören tatsächlich stattgefunden hat".

Die Hamburger nahmen die Kunde aus dem Rathaus gelassen auf. Conrad Ahlers schrieb in der Morgenpost über die Wanzen-Hysterie und zitierte das Kaninchen: "Hattu Wanzen?" "Nein!" "Bittu auch kein Politiker."

Die FDP-Politiker in Hamburg schienen sich die Frage zu Herzen zu nehmen. Sie verkündeten lauthals, von Aufklärung könne gar nicht die Rede sein, sie müßten die Presseberichte "relativieren". Denn im Prüfungsergebnis der Darmstädter Techniker stehe das Wörtchen "vermutlich" – (ein Fehler, der "vermutlich" bei der Fertigung entstanden ist). Die Realität könne also doch auch ganz anders sein. Im übrigen ermittle ja auch die Staatsschutzabteilung weiter... v. K.