Eine englische Gesellschaft will für 242 Mark von London nach New York fliegen

Großbritannien und Amerika befinden sich in zähen Verhandlungen über ein neues Luftverkehrsabkommen, die nun in Washington in die fünfte Runde gegangen sind. Die Londoner Regierung hat das über 30 Jahre alte sogenannte Bermuda-Abkommen zum 22. Juni gekündigt, nachdem. sie herausgefunden hatte, daß die amerikanischen Luftverkehrsgesellschaften PanAm und TWA inzwischen sehr viel größere Vorteile daraus ziehen als British Airways und British Caledonian.

Ein Mann verfolgt mit besonderem Interesse den Fortgang des transatlantischen Tauziehens: der 55jährige, Freddie Laker. Denn er sieht seine Lieblingsidee in diese Verhandlungen verwickelt – ein Skytrain (Himmelszug) genanntes neues Konzept für Flugreisen über den Nordatlantik. Obgleich er zwar auf dem Standpunkt beharrt, die amerikanischen Behörden seien rechtlich verpflichtet, seiner Laker Airways die Lizenz für den Dienst London–New York zu geben und obgleich auch die britische Regierung Skytrain als eine separate Angelegenheit behandelt, weiß Laker doch, daß die Zukunft seines "Luft-Zuges" mit dem Ausgang der Verhandlungen zusammenhängt.

Freddie Laker ist einer der letzten Einzelgänger im Luftverkehrsgewerbe. Sein Kampf um Skytrain hat ihn zum Helden der dem IATA-Kartell ausgelieferten Reisenden gemacht, denen er einfache, billige Atlantiküberquerung verheißt. Er ist ein Dorn im Fleisch der großen Luftverkehrsgesellschaften, "diese heiligen Kühe", wie er sie nennt, "die das göttliche Recht beanspruchen, jeden Passagier zu transportieren".

Nun sieht er die Realisierung seiner Idee zum Greifen nahe, nachdem die britische Regierung ihre Politik abermals revidiert und die gerichtlichen Aktionen gegen Skytrain eingestellt hat. Nach der spektakulären Kehrtwendung verspricht der zuständige Handelsminister Edmund Dell volle Rückendeckung: "Wir werden allen notwendigen Druck (auf die amerikanischen Behörden) ausüben."

"Skytrain", so Laker, "muß kommen. Das ist so natürlich, wie die Nacht auf den Tag folgt." Seit sechs Jahren hängt Skytrain in der Schwebe. Die Idee kam Laker, als er auf dem Fernsehschirm verzweifelte Passagiere sah, die auf dem Flughafen Gatwick aus einer nach Amerika abflugbereiten Laker-Maschine herausgeholt worden waren, weil sie die Anforderungen der Charter Vorschriften nicht erfüllten. Das heißt, sie gehörten nicht einer anerkannten Gruppe an. Laker geriet in Rage. Seine Abneigung gegen das IATA-Kartell steigerte sich in Haß, der ihn erfinderisch machte. Das Skytrain-Konzept wurde geboren.

Laker beantragte und erhielt 1972 schließlich die Lizenz für eine planmäßige Verbindung von Stansted nordöstlich von London nach New York. Einmal am Tag soll ein Großraumflugzeug vom Typ DC 10 (345 Sitze) von Stansted abheben, für das Passagiere nicht buchen können, sondern ihre Flugscheine, und zwar nur in eine Richtung, beim Einsteigen gegen Bargeld kaufen müssen. Reiseverpflegung wird mitgebracht oder an Bord gekauft. Für diesen kargen Service, der den Passagier im Risiko läßt, vielleicht einen Tag in Stansted auf seinen Koffern warten zu müssen, will Laker 59 Pfund oder 242 Mark haben (und für die Rückreise noch einmal 135 Dollar oder 322 Mark), und zwar ohne Saisonauf- oder -abschlag.