DIE ZEIT

Verweigerung

Anfang Oktober vergangenen Jahres hatte einer der Wahlverteidiger im Prozeß gegen die Stockholm-Attentäter beantragt, Bundesinnenminister Maihofer und den Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Herold, als Zeugen zu vernehmen.

Das unheimliche Rest-Risiko

Zweifeln war die zweite Regung. Brauchen wir die Düsenriesen überhaupt? Dürfen wir sie weiterfliegen lassen, wenn es zu solchen Katastrophen kommen kann? Die Risikorechner haben sich getäuscht, nach deren Wahrscheinlichkeitstafeln solch ein Unfall in Millionen Jahren nur einmal vorkommen soll.

Beifall für Goma

Wenn Ironie töten könnte, wäre Staatspräsident Ceausescu inzwischen im Mausoleum zu besichtigen. Mit spitz zugeschliffener Feder hat der Doyen der rumänischen Literaturkritik, Ion Negoitescu, in einem offenen Brief an seinen Landsmann Paul Goma den Zustand des vollständigen geistigen Vakuums in Rumänien beschrieben: "Unsere literarische Presse liest sich wie das Protokoll einer endlosen Mammutsitzung, wo viel geredet wird, um nichts sagen zu müssen.

Die Russen in Afrika

Afrika war jahrhundertelang eine Domäne Europas. Vor 25 Jahren hatte die Sowjetunion keine einzige diplomatische Vertretung südlich des Mittelmeeres, heute stehen etwa 17 afrikanische Staaten in dieser oder jener Weise unter russischem Einfluß.

An Schulden gesunden?

Die Nöte gleichen sich in allen westlichen Industriestaaten: millionenfache Arbeitslosigkeit und mangelnde Investitionsneigung, Unsicherheit über die künftige Versorgung mit Energie und Rohstoffen.

Zeitspiegel

Mit wem, wenn nicht mit dem Papst, soll ein (ebenso vielgeplagter) Bundeskanzler über "Gott und die Welt" reden können? Nur gründliche deutsche Christdemokraten bezweifeln, daß Helmut Schmidt bei seinem Besuch im Vatikan letzte Woche die Niederungen der Tagespolitik hinter sich ließ, und Paul VI.

Das bittere Erbe des Generals de Gaulle

In dem alten Büro des Generals de Gaulle hat sich Valéry Giscard d’Estaing nicht wohl gefühlt; Er ist einen Raum weitergezogen, in ein sonnendurchflutetes Eckzimmer des Elyseepalastes, das auf zwei Seiten den Blick in den alten Park freigibt.

Vance-Besuch in Moskau: Carter hat die Sowjets verbittert

Als im Juli 1959 der damalige amerikanische Vizepräsident Nixon kurz vor seinem geplanten Moskau-Besuch eine Woche des Gebetes für die "versklavten Völker hinter dem Eisernen Vorhang" arrangieren wollte, trompetete ihm Chruschtschow entgegen: "Frische Scheiße stinkt.

Strategische Kernwaffen: Aufrechnung oder Abzug?

Ein gutes Jahr nach Henry Kissingers letztem gescheiterten Versuch, russische Zugeständnisse für einen Kompromiß über das zweite Abkommen zur Begrenzung strategischer Kernwaffenrüstungen (SALT) herauszuschlagen, versucht die Carter-Administration die festgefahrenen Verhandlungen über den toten Punkt zu schieben.

Lebenslange Freiheitsstrafe: Sind zehn Jahre genug?

Am 5. März 1976 beschloß das Schwurgericht Verden, den Prozeß gegen den ehemaligen Polizeimeister Riese, den das Gericht als des Mordes überführt ansah, auszusetzen und die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts darüber einzuholen, "ob Paragraph 211 Absatz 1 des Strafgesetzbuches insoweit verfassungswidrig ist, als er bestimmt, daß der Mörder mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft wird".

Abhör-Affäre: Kontrolle der Kontrolleure

Bisher steht die Papierflut noch im umgekehrten Verhältnis zum Ertrag. Zwar haben die Bundestagsstenographen inzwischen die Wortprotokolle jener fünf Sitzungen ausgeschrieben, in denen sich der Innenausschuß mit den Abhöraktionen befaßt hat.

Mißbrauchtes Idol

Der General schwamm auf einer Woge von Selbstmitleid. Seine Dankadresse an Ulrich de Maizière für die Überreichung der Clausewitz-Büste liest sich wie ein Stück aus einem autobiographischen Schlüsselroman: An den Reformer Clausewitz werde die Büste erinnern – einen "Reformer kraft geistiger Überlegenheit, benötigt nur in den Jahren von allen erkannter Not, genutzt und später, wie andere Reformer damals, kaltgestellt, weil ihr unabhängiger Geist gefährlich schien".

Mit offener Stirne

Vor Jahresfrist hat der Wehrbeauftragte des Bundestages öffentlich darüber geklagt, daß viele Soldaten zu brav seien und, wenn überhaupt, berechtigte Klagen "nur allzu zögernd und zurückhaltend vorbringen.

Ein Zwiegespräch

Wagemann: Sie sind in den Blättern immer wieder erwähnt worden: daß ich nicht fähig wäre, den Ansprüchen an die Kooperation, die im Konsilium und in der, Akademie an mich überhaupt gestellt würden, zu genügen.

BONNER BÜHNE: Was ist ein Pictonom?

Allmählich beginnt die Osterpause das Bonner Getümmel mildtätig zu dämpfen. Kaum ein Politiker, der die dreiwöchige Unterbrechung der Parlamentsarbeit nicht herbeigesehnt hätte.

"Ich bin der Watschenmann Nummer eins"

Die Kritik in der SPD am neugewählten Juso-Vorsitzenden Klaus-Uwe Benneter wächst, obwohl der Juso-Vorstand im ersten Konflikt mit Geschäftsführer Bahr nachgab.

Nato verschiebt AWACS-Entscheidung

Seit 1975 muß sich die Nato für ein neues Frühwarnsystem entscheiden, das sechs Milliarden Mark kostet Ein verbindlicher Beschluß über AWACS wurde wieder verschoben.

Neue Pläne für den Nahen Osten?

Vor dem Besuch des ägyptischen Präsidenten Sadat nächste Woche in Washington gab es von amerikanischer und sowjetischer Seite neue Anstöße zur Aktivierung der Friedenspolitik im Nahen Osten.

Des Premiers neuester Trick?

Mit Lobes- und Schmähworten wurde nicht gespart. Enthusiasten sprachen von einer "Europäisierung der Londoner Politik", "einer Wende der britischen Parteigeschichte".

Charta 77: Prags meistgehaßter Regimekritiker

Keiner unter den Prager Regimekritikern wird von den Sowjets und ihren Handlangern mit solchem Haß verfolgt wie der Reformpolitiker und Arzt Frantisek Kriegel, der eigentliche politische Kopf unter den Unterzeichnern der "Charta 77".

Bürgerkrieg in Thailand?: Tod der Demokratie

Nach dem vergeblichen Putsch thailändischer Offiziere hat sich an der innenpolitischen Situation in dem südostasiatischen Königreich vorläufig so gut wie nichts geändert.

Hamburg: Gesucht: souveräner Kopf

Kabalen, Intrigen, Affärchen haben seit Jahren die Hamburger Morgenpost so treu begleitet wie die sinkenden Auflagenziffern; und beides hing meist ursächlich miteinander zusammen.

Hannover: Klasse 2e macht nicht mehr mit

Almut Harms ist verärgert: "Die sollen in Zukunft bloß niemals mehr von Kindern reden – das sind doch für die nur Zahlen." Die angehende Sozialpflegerin meint die Beamten der Schulverwaltung der Stadt Hannover und des hiesigen Regierungspräsidiums.

Bielefeld: Kein Kaffee für Schwarze

Zu Kaffee und Kuchen gab’s ein Lehrstück. Thema: Rassismus. Schauplatz: nicht Südafrika, sondern Bielefeld. Das finstere Spiel, aufgeführt in einem feinen Café in der City, begann für die Familie des Arztes Dr.

Zeitliches aus Hamburg: Hattu auch Wanzen?

Die Sensation schien perfekt: Eine Super-Wanze im Telephon des Zweiten Bürgermeisters von Hamburg. Die Spekulationen schossen ins Kraut, wer hat Professor Biallas wohl abgehört? Die Sozialdemokraten, die ihren ungeliebten Koalitionspartner belauschen wollten? Oder die Verfassungsschützer, die bei Biallas linke Tendenzen befürchteten? Zwei Tage später ging dann ein erleichtertes Aufatmen durchs Rathaus.

Fußball: Die Gefahr der billigen Tore

Die kleinen Weltverbesserer des Fußballs lassen nicht locker. Immer wieder fällt ihnen etwas Neues zur Regeländerung ein; und immer wieder lösen diese Reform vorschlage die heftigsten Diskussionen aus.

Bonner Kulisse

Doch Verteidigungsminister Georg Leber hat offensichtlich immer noch zu viel Geld, wie sich aus seinem Eintreten für das amerikanische Luft-Frühwarnsystem AWACS schließen läßt.

Beteiligungen: Münchner Sauerbier

Mit viel Optimismus und gegen heftige Kritik von außen begann die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank vor acht Jahren ein Brauereiimperium zusammenzukaufen – und sucht jetzt für Teile davon Käufer.

Kommunikation: Christ und Werbung

Reformatorischen Bestrebungen kann die katholische Kirche in der Regel wenig abgewinnen. Durchaus systemkonform sind denn auch jene Thesen, die den deutschen Katholiken zum Thema Wirtschaftswerbung einfielen.

Uran: Päpstlicher als der Papst

Der deutsche EG-Kommissar Guido Brunner ging aus sich heraus. "Dies ist keine Lappalie mehr", zürnte der für die Energiepolitik der Europäischen Gemeinschaft zuständige "gelernte Diplomat".

Arzneimittelmarkt: Vorsichtiger mit den Pillen

Schnellrechner unter den 13 000 deutschen Apothekern waren Anfang März die ersten, die ungläubig den Umsatz des gerade abgelaufenen Monats Februar wieder und wieder nachrechneten, weil sie es zunächst nicht wahrhaben wollten.

Flugpreise: "Himmelszug" nach Amerika

Großbritannien und Amerika befinden sich in zähen Verhandlungen über ein neues Luftverkehrsabkommen, die nun in Washington in die fünfte Runde gegangen sind.

"Die Preise wären höher"

Kartte: Es ist das gute Recht des Abgeordneten Dr. Jens, als Politiker zu der VW-Preiserhöhung seine Meinung zu sagen. Das Bundeskartellamt ist an das Kartellgesetz gebunden und hat danach zu prüfen, ob ein Mißbrauch einer marktbeherrschenden Stellung vorliegt oder nicht.

Buch der Woche

Die Bürgerinitiativen sind in den vergangenen Jahren immer mächtiger geworden. Sie verhindern Industrieansiedlungen, den Bau von Kraftwerken und Verkehrswegen und machen die Planungen der parlamentarischen Gremien sehr oft zu Makulatur.

Zeitraffer

Die Investitionstätigkeit in der Bundesrepublik wird sich im weiteren Lauf des Jahres beschleunigen. Damit rechnet das Institut für Weltwirtschaft in Kiel in seinen neuesten "Thesen zur Konjunkturlage".

+ Weitere Artikel anzeigen