Nicht wenige Jugendbücher haben sich in den letzten Jahren mit Randgruppenproblemen, mit Rebellen, Ausgeflippten und Flüchtlingen, mit Heimzöglingen und anderen ungeliebten, frustrierten Kindern befaßt. Das diffizile Thema wurde meistens sehr behutsam von den Autoren abgefaßt, wurde nicht abenteuerlich aufgebauscht, eher heruntergespielt auf die knochenharten, schmerzlichen Alltagsrealitäten einer benachteiligten Existenz.

In einem gesellschaftlichen Klima, das von Radikalenerlaß und Berufsverbot verdunkelt wird, haben sicher auch jene Erzählweisen ihre Berechtigung, die Einzelschicksale dramatisch bloßstellen und auf die selbstgerechte Umwelt oder deren Gesetzesverwalter mit dem Finger zeigen. Das Buch

Leif Esper Andersen: "Hexenfieber"; Benziger Verlag, Köln; 104 S., 12,80 DM

ist ein radikales, auf Erschütterung abzielendes Lehrstück vom Wahnsinn jedweder Menschenverfolgung.

"Hexenfieber" spielt in einer dänischen Kleinstadt des Mittelalters. Während seine Mutter auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird, stürzt der Junge Espen davon, flüchtet vor den Menschen. Ein Einsiedler, Kräutermann und Heilkundiger nimmt ihn bei sich auf, lernt ihn an im Fischfang, im Sammeln von Kräutern, im Behandeln von Wunden. Das Geschehen, das sich zwischen den beiden ungleichen Freunden vordergründig abspielt, ist nicht groß, eher gleichförmig. Um so bewegender wirkt jene zweite Handlung, die Espen aus einer schrecklichen Erinnerung sozusagen in Schüben von sich gibt und die er – sprechend und vertrauend – allmählich verarbeitet. So unbarmherzig und plakativ der Leidensweg einer Hexe, der Haß und die Strafgelüste der Menge ausgemalt werden, so psychologisch exakt läßt der Autor durch die Stimme des Waldmenschen das Hexenfieber analysieren als ein Krankheitssymptom von Menschen, die aus Unwissenheit und Angst jene verfolgen, die anders sind als sie.

Ungleich leichter, ja luftiger und mehr der Normalkost von Jugendbüchern angenähert, setzt sich

Karl Heinz Gies: "Ein Sommer mit Tschikorenka"; Thienemanns Verlag, Stuttgart; 222 S., 16,80 DM