Mit der ihr eigenen Fixigkeit hat die Dresdner Bank einen Weg gefunden, ihre durch die Körperschaftsteuerreform benachteiligten Aktionäre bei einigermaßen guter Laune zu halten. Auch wenn er nur ein "Ausweg" sein kann, bleibt er so gut, daß das Beispiel der Dresdner Bank Nachahmer verdient.

Es geht um die Wandelanleihe, die von der Dresdner Bank über ihre Tochter in Luxemburg, die Compagnie Luxembourgeoise de la Dresdner Bank International, in Höhe von 395 Millionen Mark aufgelegt werden soll. Diese auf Mark lautende Auslandsanleihe wird mit einem Wandelrecht im Verhältnis 4:1 in Aktien der Dresdner Bank ausgestattet und mit 5,25 Prozent verzinst.

Nun sind Wandelanleihen nichts Neues für die deutsche Börse. Allerdings haben sie ihren Käufern nur selten Freude bereitet. Gewinner solcher Anleihekonstruktionen – stets mit einem Zins ausgestattet, der unter dem Marktpreis liegt – waren bis auf wenige Ausnahmen stets die emittierenden Unternehmen.

Neu an der Wandelanleihe der Dresdner Bank ist, daß sie den Aktionären im Verhältnis 2:1 als "Auslandsanleihe" angeboten werden soll. Für den inländischen Aktionär bringt dies der Sache nach keinen Nachteil. Manche mögen es sogar als Vorteil empfinden, wenn ihnen bei dieser Wandelanleihe der volle Zins – also ohne Abzug von 25 Prozent Kapitalertragsteuer, die auf Zinsen von inländischen Wandelanleihen erhoben werden – gutgeschrieben wird. Das ist eine Frage der Steuermoral.

Natürlich erhalten auch die Ausländer die Zinsen der Wandelanleihe voll ausgezahlt. Da es sich um eine Auslandsanleihe handelt, gibt es bei ihr auch keine Kuponsteuer, wie sie auf die Zinsen von Inlandsemissionen erhoben wird, wenn sie sich im Besitz von "Gebietsfremden" befinden.

Der Vollständigkeit wegen möchte ich erwähnen, meine verehrten Leser, daß die Wandelanleihe bis 1979 (jeweils dreimal jährlich) ohne Zuzahlung in Aktien getauscht werden kann. Für die Besitzer der Wandelanleihe kostet die Dresdner-Bank-Aktie bis dahin ständig 200 Mark, ganz gleich, wie sie an der Börse jeweils bewertet wird. 1980 und 1981 erhöht sich der Wandelungspreis durch Barzuzahlung von 50 Mark auf 250 Mark, 1982 und 1983 durch Zuzahlung von 75 auf 275 Mark.

Für die inländischen Aktionäre der Dresdner Bank ist der Zinssatz von 5,25 Prozent wenig attraktiv, räumt Vorstandsmitglied Wolfgang Röller freimütig ein. Wenn sie die Wandelanleihe übernehmen, müssen sie auf eine günstige Kursentwicklung der Dresdner Bank-Aktie vertrauen. Gegenwärtig liegt ihr Kurs bei 223 Mark. Davon geht die Dividende für 1976 von zehn Mark ab, so daß die voraussichtliche Ausgangsbasis für die Bezugsentscheidung bei 213 Mark liegt. Aus heutiger Sicht würde eine diesjährige Wandlung einen kleinen Gewinn bringen, das Bezugsrecht etwa eine Mark je Dresdner-Bank-Aktie wert sein. Läuft es an der Börse entgegen den Erwartungen schlecht und fällt der Dresdner-Bank-Kurs zum Zeitpunkt des Bezugsrechtangebotes (wahrscheinlich Juni) unter 200 Mark, vertritt Röller die Auffassung, daß das ganze Projekt einfach gestrichen werden sollte.