Der inländische Aktionär steht vor zwei Möglichkeiten:

  • Er kann das Bezugsrecht einfach verkaufen und damit praktisch seine Ausschüttung von zehn auf elf Mark verbessern, falls das Bezugsrecht an der Börse mit einer Mark bewertet werden wird.
  • Er kann die Wandelanleihe beziehen und zunächst einmal abwarten, wie sich ihr Kurs entwickelt. Möglicherweise läßt sich mit ihr noch in diesem Jahr ein Kursgewinn kassieren.

Von der Rendite her gesehen fährt der inländische Aktionär jedoch mit der Dresdner-Bank-Aktie besser. Für den Vorstand der Dresdner Bank ist es heute bereits so gut wie sicher, daß die bisherige Dividende von zehn Prozent wegen der künftig höheren Körperschaftsteuerbelastung ab 1977 nicht aufrechterhalten werden kann. Die Bardividende wird also gekürzt werden. Gleichwohl erhalten die inländischen Aktionäre unter Einschluß der Steuergutschrift eine höhere Bruttodividende.

Beim heutigen Kurs von 223 Mark bedeuten zehn Mark Dividende eine Rendite von 4,5 Prozent. Künftig – so kündigt der Vorstand an – könnte sie unter Berücksichtigung der Steuergutschrift auf 5,5 bis 6,9 Prozent steigen. Er gibt der Dividendenspekulation also weiten Spielraum. Der unterste Punkt der Bardividende läge demnach bei 8,40 Mark, der oberste knapp unter 10 Mark.

Realistisch scheint mir eine Dividende von 8,50 Mark zu sein, die sich durch die Steuergutschrift um 4,78 auf 13,28 Mark erhöhen würde, was bei einem Kurs von 223 Mark einer Rendite von knapp sechs Prozent entsprechen würde, während es bei der Wandelanleihe nur 5,25 Prozent gibt.

Anders sieht die Rechnung für den Auslandsaktionär aus. (Von den 145 000 Aktionären der Dresdner Bank sind sieben Prozent Ausländer. Sie halten rund 20 Prozent der Aktien in ihrem Besitz). Da die Ausländer mit der nur gegenüber dem deutschen Finanzamt aufrechenbaren Steuergutschrift nichts anfangen können, ermäßigt sich ihre Dividendenrendite bei einer von zehn auf 8,50 Mark reduzierten Dividende von 4,5 auf 3,8 Prozent. Sie sind also mit Sicherheit in der Wandelanleihe besser aufgehoben als in der Aktie. Das gilt jedoch nur bis einschließlich 1979, weil so lange die Dresdner-Bank-Aktie zu 200 Mark erhältlich ist. Danach muß man weiter sehen. Bis dahin – so hofft man bei der Dresdner Bank – sollte es gelungen sein, die Ausländerdiskriminierung hinsichtlich der Steuergutschrift durch Abschluß entsprechender Doppelbesteuerungsabkommen zu beseitigen. Ist das nicht der Fall, so wird der aus heutiger Sicht attraktive Zins für ein Papier mit dann noch vierjähriger Restlaufzeit von 5,25 Prozent für eine gewisse Attraktivität sorgen.

Bei der Dresdner Bank wird davon ausgegangen, daß die ausländischen Aktionäre von dem Angebot auf Bezug der Wandelanleihe weitgehend Gebrauch machen werden und daß es darüber hinaus Ausländer geben wird, die sich für dieses zweifellos interessante Papier interessieren werden, auch wenn sich für diese Gruppe die Anleihe um das Bezugsrecht verteuert.