Vor dem Besuch des ägyptischen Präsidenten Sadat nächste Woche in Washington gab es von amerikanischer und sowjetischer Seite neue Anstöße zur Aktivierung der Friedenspolitik im Nahen Osten. Araber wie Israelis verwirrten die teils einander widersprechenden Vorschläge.

An zwei Grundtatsachen halten Sadat und sein "Gegenspieler", Israels Regierungschef Rabin, fest: Es gibt, wenn überhaupt, nur einen "amerikanischen Frieden", eine "aufgezwungene" Regelung aber wird strikt zurückgewiesen – ein amerikanisches Friedensdiktat.

Verwirrung stifteten die Amerikaner unter den Israelis nach Rabins Besuch bei Carter mit Erläuterungen ihrer Friedensvorstellungen. So machte der US-Präsident nachträglich deutliche Unterschiede zwischen "sicheren" (endgültigen) Grenzen und "verteidigungsfähigen Linien", die nur auf Zeit von israelischen Truppen gehalten werden sollen.

Positiv reagierten auf Carters neue Ideen allein die Araber, diesmal auch die Palästinenser. Dagegen zeigte sich Rabin über das pro-palästinensische Votum entsetzt: Zwischen Israel und Amerika bestünden "ernsthafte Gegensätze".

Diese Kritik und Sorge bezog sich auch auf neue Vorschläge anderer prominenter Amerikaner: So hat Carters Sicherheitschef Brzezinski den Israelis nur "geringfügige Grenzkorrekturen" zugestanden. Geradezu empört reagierte Jerusalem aber auf Empfehlungen des ehemaligen US-Vizeaußenministers Georg Ball, der Israel unter massiven wirtschaftlichen Druck setzen will, um es zum totalen Rückzug aus allen besetzten Gebieten, auch aus Jerusalem, zu zwingen.

Rabin, der am 17. Mai wiedergewählt werden will, beharrt nach wie vor auf drei "essentials":

  • Keine Verhandlungen mit Arafats Befreiungsfront, die Israels Existenzrecht auch in ihrem neuen Programm nicht anerkennt.
  • Kein Rückzug auf die Grenzen vor dem Junikrieg von 1967.
  • Kein eigener Staat Palästina, gebildet aus Westjordanien und dem Gazastreifen.