Eine Wiederentdeckung ist zu machen, eine Neuentdeckung auch in Teilen, und in jedem Fall ist es eine glückliche, weil Vergnügen und Fröhlichkeit verbreitende Entdeckung: von Carl Larsson ist die Rede, dem schwedischen Maler, dessen Bücher in Schweden so bekannt sind wie die Nationalfarben. Larsson ist auch hierzulande ein seit langem geliebter Künstler, sein "Haus in der Sonne", 1909 zum erstenmal in der Reihe der "Blauen Bücher" im Verlag Karl Robert Langewiesche erschienen, hat jetzt in der 30. Auflage das 433. Tausend erreicht (79 S., 12,80 DM). Diesem Immergrün unter den Familienbüchern hat der Verlag jetzt vier Publikationen hinterhergeschickt: die in Schweden zu Kinderstuben-Klassikern gewordenen Bilderbücher "Unser Heim" und "Bei uns auf dem Lande" (je 48 S., je 12,80 DM), dann den Band "Fünfzig Gemälde" (18,– DM), und schließlich das Photobändchen von Granath und Hard af Segerstad, "Der Carl-Larsson-Hof" (104 S., 96 Farbphotos, 29,80 DM). Es klingt komisch und ist eigentlich ganz schön: das Werk von Carl Larsson (1853–1919), Schwedens berühmtestem Maler, besteht eigentlich vorwiegend aus seiner Biographie, und die Bücher, zu denen er seine mit eigenen Texten ergänzten Aquarelle und Zeichnungen gebündelt hat, sind Kinderbücher. In diesen Büchern, die nicht als Kinderbücher konzipiert, aber durch Gebrauch zu solchen geworden sind, wird der bewegte Alltag der Familie Larsson, die in Sundborn im Lande Dalarna in einem gemütlichen Holzhaus am See wohnt, ausgebreitet. Daß es viel auszubreiten gibt, versteht sich durch den Umfang der Familie: zu Carl und Karin Larsson gehören die Kinder Ulf, Pontus, Esbjörn, Brita, Suzanne, Kersti, ein Hund und ein Hausmädchen. Die Kinder sind die Hauptsache im "Haus in der Sonne", in Larssons Leben, in den Büchern. Wie sie weinen, lachen, angeln, baden, Geburtstag feiern, schmollen, essen, sich ausziehen, den Schlitten schieben, Blumen gießen: das zeichnet und aquarelliert er mit einer Detailfreudigkeit und Liebe, die sich aus der Liebe zum Sujet ganz natürlich erklärt. Familie, Landleben, Natur, das Haus: das ist eine Welt im Kleinen, aber Larsson setzt sie nie in den Diminutiv, läßt sie in den viel eher komischen als rührenden Motiven und den hellen, kühlen skandinavischen Farben nie in die Nähe des süßlich Sentimentalen kommen. Daß er nicht nötig hatte, etwas zu erfinden, merkt man heute noch, wenn man an oder in seinem Haus am See steht, das seine ganze Schönheit aus seiner Benutzbarkeit, seinen ganzen Charakter aus dem Temperament seiner Bewohner hat. "Wenn du dieses Hauses Schwelle betrittst, bist du bei glücklichen Menschen. Sonst ist nichts Merkwürdiges hier, außer der Hütte selbst", hatte Larsson geschrieben.

P. S. Auch im Oetinger Verlag, Hamburg, sind die Bücher "Unser Haus" und "Unser Hof" erschienen (um das Verlagswettrennen vollzumachen auch zum Preis von 12,80 DM). Aber sie sind im Bildteil gekürzt und enthalten statt des Larsson-Textes eine Art beschreibender Nacherzählung von Karin Schreiner.

Petra Kipphoff