Von Jürgen Werner

Meine Beine wurden schwer wie Blei, ich atmete stoßweise und heftig, als ob ich ein anstrengendes Konditionstraining hinter mich gebracht hätte. Mein Puls lag bei 150. Ein Blick auf die Armbanduhr zeigte mir jedoch die Realität: Eine knappe Viertelstunde hatte Squash-Trainer Chris Davies, ein Schotte, mich mit sparsamen Bewegungen und exzellenten Schlägen über den Parkettfußboden des Center-Court im Tennis- und Squash Club Hamburg gehetzt. Ich bat um eine Pause.

Sportmediziner setzen denn auch die Belastung durch eine Dreiviertelstunde Squash gleich mit etwa zwei Stunden Tennis, einem Vormittag Golf oder einem 5000-m-Lauf: auf den ersten Blick also ein Sport, der schlank macht. Ronny Rothenberger jedoch, Deutscher Meister in dieser Sportart, die inzwischen von 10 000 Aktiven in der Bundesrepublik betrieben wird, und gleichzeitig Besitzer des eben erwähnten Klubs in Hamburg-Schnelsen, widerspricht. dieser zu sehr "nach Sauna, Schwitzen und Abspecken" tendierenden Definition.

"Squash ist in erster Linie ein Sport, der Spaß macht und außerdem viele Vorteile anderer Sportarten wie etwa Tennis, Badminton oder Billard in sich vereinigt und dazu so bewegungsintensiv, daß durch die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und die Beanspruchung der Konzentrationsfähigkeit anschließend das Gefühl wohliger körperlicher Ermüdung eintritt." Er weiß, wovon er spricht. Denn seine Spielkunst ist mit Kommerz ganz eng gekoppelt, weil beim Squash natürlich nicht nur im Spiel Gewinne Spaß machen. Im Vergleich zum Tennis zum Beispiel sind auch die Investitionen für die Erstellungen von Hallenplätzen wesentlich geringer: Die Vergleichszahlen liegen etwa bei 150 000 zu 60 000 Mark, pro Platz gerechnet.

Beim Squash ist dieser 9,75 m mal 6,40 m groß und begrenzt durch vier glatte Wände. Die Begrenzung der Stirnwand nach oben liegt bei 4,57 m und ist unterteilt durch eine Aufschlaglinie, die 1,85 m über dem Fußboden liegt. Die Rückwand, die in der Regel aus Glas besteht, um auch das Zuschauen zu ermöglichen, darf bis zu einer Höhe von 2,13 m bespielt werden. Die Spielregeln – vereinfacht dargestellt,– schreiben nur vor, daß zwei Spieler abwechselnd einen etwa tischtennisballgroßen, 30 Gramm schweren Hohlgummiball gegen die Stirnwand schlagen. Dazu benutzen sie einen Schläger, der in der Größe etwa einem Badminton-(Federball-)Schläger gleicht.

Der Ball muß also nach jedem Schlag die Stirnwand treffen und darf zwischen den jeweiligen Schlägen nur einmal den Boden berühren. Doch wie der Ball zur Stirnwand gelangt – ob nach dem Aufprall direkt oder aus der Luft genommen oder indem man die Seitenwände als Bande benutzt –, ist der Spielkunst des einzelnen überlassen. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, wohl aber der Physis und Psyche. Denn der nach kräftigen Schlägen mit Geschwindigkeiten zwischen 100 und 200 km/h heransausende Ball beansprucht Auge und Reaktionsvermögen, der ganz sanft gespielte, kaum zurückspringende Schnelligkeit und Ausdauer.

Der dauernde Wechsel zwischen Sprint und Stoppen, die pausenlose Beanspruchung durch Reiz und Reaktion, die unablässige Kontrolle von Ball und Bewegung des Partners auf engstem Raum führen innerhalb kürzester Zeit zu dem Gefühl, fix und fertig zu sein. Chris Davies demonstrierte mir nach einer kurzen Erholungspause in einem weiteren Match – ein Satz geht jeweils bis neun – das Morsealphabet des Squash: zweimal lang, einmal kurz, will sagen, er knallte den Ball zweimal gegen die Stirnwand, daß ich Mühe hatte, den Schläger hochzunehmen und zu retournieren, das drittemal aber spielte er den Ball ganz weich, so daß der Ball fast an der Wand klebenblieb.