Die Zahl der exklusiven Schweizer Privatbanken ist stark geschrumpft

Die eidgenössischen Privatbankiers, vielen nur als "Gnome von Zürich" bekannt, die im Halbdunkeln ihr Handwerk betreiben, wähnen sich selbst am Aussterben. Allein innerhalb der letzten zehn Jahre ist ihre Zahl von fünfzig auf 31 zusammengeschmolzen. Den "Privatgnomen", die teilweise nicht einmal Schalter unterhalten und das Image des Geheimnisvollen beispielsweise auch dadurch pflegen, daß sie an den Eingängen zu ihren Büros statt Namensschilder in manchen Fällen nur Initialen anbringen, macht vor allem das Generationenproblem zu schaffen.

Nicht selten kommt es bei einem Erbfall, wenn nicht alle der Bedachten ihren Anteil in der Bank belassen, zu einer Kapitalzersplitterung. Es mangelt den Gnomen überdies oft an geeigneten männlichen Nachfolgern. In solchen Fällen muß die nach Schweizer Recht als Personengesellschaft zu führende Privatbank bei veränderten Besitzverhältnissen auch ihren Namen ändern. Das fällt den der Tradition verhafteten Instituten nicht leicht und ist auch dem Geschäft nicht eben zuträglich. In diesem Punkt erhoffen die privaten Banken sich allerdings Linderung durch das in Vorbereitung befindliche neue Eherecht, weil dann auch die Schwiegersöhne als Träger des traditionellen Namens in Frage kämen.

Welche wirtschaftliche Potenz die Gnome haben, kann niemand exakt sagen. Sie selber beziffern ihren Anteil an dem von Schweizer Banken insgesamt verwalteten Vermögen, das nach konservativen Schätzungen 250 Milliarden Franken beträgt, mit gut zehn Prozent. Kenner der Materie halten dies jedoch für einen typischen Fall von Understatement. Doch die Privatbankiers wissen es wohl selber nicht genau. Keiner läßt den anderen in seine Geschäfte Einblick nehmen; die Jahresrechnungen und Bilanzen sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Als Ausgleich dafür haften die Teilhaber mit ihrem privaten Vermögen bis zum letzten Silberlöffel. Bankenzusammenbrüche betrafen in der Alpenrepublik in den vergangenen dreißig Jahren jedoch nie "echte" Privatbanken, so daß die Silberlöffel bisher auch noch, nicht angetastet werden mußten.

Der Ruf, an kleinen Kunden nicht besonders interessiert zu sein, hängt den Privatbanken nicht zu Unrecht an; Eine halbe bis eine Million Fränkli Anlagekapital muß die Klientel schon auf den Tisch des Hauses legen, wenn sie in den Genuß einer individuellen Depotverwaltung durch einen helvetischen Privatbankier kommen möchte. Dafür betreuen die Anlageberater dann auch maximal nur zwei- bis vierhundert Kundendepots.

Kleine Fische verweist man in der Regel auf die mit weniger Arbeit verbundene Anlage in Fonds. Doch so genau will man die Grenze nicht ziehen. "Wir drücken gelegentlich ein Auge zu und nehmen auch schon mal einen Arzt als Kunden an, der die Summe noch nicht beisammen hat, wenn seine Praxis abbezahlt ist und damit eine entsprechend rasche Vermögenszunahme in Aussicht steht", erklärt ein Zürcher Privatbankier großzügig.

In einem Punkt allerdings sind die Sitten streng: Wer in den großzügigeren Mantel einer Aktiengesellschaft schlüpft, wird ohne langes Federlesen aus der hochnoblen Zunft der "Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers" ausgestoßen. Das mußte vor zwei Jahren selbst der größte unter ihnen, das Bankhaus Julius Baer & Co, hinnehmen. So wird denn das Fähnlein der derzeit noch 31 Aufrechten unweigerlich weiter zusammenschrumpfen. Alexander Mayr