Von Sulak Sivaraksa

Bangkok, im März

Nach dem vergeblichen Putsch thailändischer Offiziere hat sich an der innenpolitischen Situation in dem südostasiatischen Königreich vorläufig so gut wie nichts geändert. Und. auch wenn der Coup geglückt wäre, hätten die Militärs – nur andere – weiterregiert.

Sechs Monate ist es her, seit eine Gruppe ultrakonservativer Offiziere die Zivilregierung des Seni Pramoj gestürzt hatte, die erste und einzige Regierung in der Geschichte Thailands, die demokratisch gewählt worden war. Seit jenem 6. Oktober gibt es das alte Thailand nicht mehr. Dutzende von Studenten wurden bei ihrem vergeblichen Versuch, die Herrschaft des Militärs abzuwenden, getötet; Tausende wurden festgenommen und viele von ihnen mißhandelt; Bücher wurden tonnenweise öffentlich verbrannt wie im Dritten Reich; und auf die Medien legte sich die schwere Hand des Zensors, Unter der von den Militärs eingesetzten Zivilregierung des Thanin Kravichien, den viele den "McCarthy Thailands" nennen, werden die Menschenrechte ständig verletzt.

Die neue Verfassung gibt der Regierung durch ihren Artikel 21 diktatorische Vollmachten. Politische Betätigung und Streiks sind verboten, Wohnungen werden ohne Hausdurchsuchungsbefehl inspiziert, verdächtige angebliche Kommunisten können drei Monate in Untersuchungshaft sitzen, ohne dem Richter vorgeführt zu werden. In großen Teilen des Landes regieren jetzt die Kommandeure.

Die Offiziere hatten sich vorgenommen, mit ihrem Putsch die Lage in Thailand zu stabilisieren, doch genau das Gegenteil ist die Folge: Der Bürgerkrieg läßt sich nun nicht mehr vermeiden. Der Umsturz hat mit einem Schlag die demokratische Alternative zu einer militärisch oder kommunistisch geführten Herrschaft zerstört.

Seit dem Putsch ist das anders geworden: Heute wird jede abweichende Meinung gleichgesetzt mit Kommunismus und Illoyalität gegenüber Religion und König; sie wird brutal unterdrückt. So haben die Generäle das traditionelle Gleichgewicht zwischen den beiden wichtigsten Kräften in Thailand beseitigt, zwischen der liberalen intellektuellen Elite und dem konservativen Establishment. Schlimmer noch: Der wichtigste integrierende Faktor, der König, ohne dessen Wissen und Unterstützung der Putsch im Herbst nicht hätte stattfinden können, hat seine Autorität bei einem Großteil der liberalen Elite verloren. Zum erstenmal kann er sich nicht mehr auf die einhellige Unterstützung der Bevölkerung berufen.