Die letzten Märzwochen standen an der Börse im Zeichen lebhafter Rentenspekulationen. Es wurde gekauft, was noch am Markt war. Manchmal schienen Preise keine Rolle mehr zu spielen. Das private Publikum hat sich an diesem munteren Spiel kaum beteiligt. Es profitierte aber von den Kurssteigerungen. Sogar die lange Zeit so verfemten Sechsprozenter haben die Marke von 80 Prozent mehr oder weniger deutlich überschritten. Und ihnen billigen Rentenmarktexperten weitere Kurschancen zu. Es gilt nicht mehr länger als ausgeschlossen, daß wir im Spätherbst dieses Jahres einen Nominalzinssatz von 6 1/2 Prozent bekommen werden. Dann wäre für die langlaufenden Sechsprozenter noch einmal ein Kursgewinn von rund zehn Prozent "drin". Ultimo 1975 wurden die Sechsprozenter mit langen Laufzeiten noch mit 68 Mark bewertet.

Niemand wird behaupten können, daß diese stürmische Entwicklung gesund ist. Mit Sicherheit wird es eine sogenannte Konsolidierungsphase geben. An eine Zinsumkehr denkt vorerst, jedoch niemand. Noch immer klagen die Banken über die geringe Kreditnachfrage aus dem Bereich der

Investmentfonds, zum Teil noch recht flüssig,-Wirtschaft. Die Unternehmen sind flüssig genug, um. ihre meist recht bescheidenen Investitionen aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Teilweise stehen beträchtliche Anzahlungen der ausländischen Kundschaft zur Verfügung, die auf diese Weise das in der Mark steckende "Aufwertungsrisiko" abdeckt.

Auch am Rentenmarkt spielt die Nachfrage aus dem Ausland eine Rolle. Am Devisenmarkt herrscht gegenwärtig zwar Ruhe, doch wird davon ausgegangen, daß die Mark tendenziell "fest" sein wird.

Am Aktienmarkt ist es vorerst bei einer Klimabesserung geblieben. Der Index liegt am Ende des ersten Quartals nur wenig vom Jahresultimostand entfernt. Ein verlorenes Vierteljahr? Nein, denn die Kursentwicklung war in den zurückliegenden drei Monaten wesentlich bunter, als es der Index zu zeigen vermag. So hat sich die Aufwärtsbewegung der Fahrzeug- und Versorgungsaktien fortgesetzt. Im Fahrzeugsektor ist nennenswert jedoch nur die VW-Aktie wegen der Aussicht auf Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen gestiegen.

kümmerten sich in den vergangenen Wochen vor allem um die Aktien der Großchemie wegen der bei ihnen erzielbaren hohen Renditen. Für die bessere Stimmung spricht auch die reibungslose Abwicklung der jüngsten Kapitalerhöhungen.

Entscheidend für die weitere Aktienkursentwicklung wird nach wie vor das Verhalten der Ausländer sein. Nahezu sehnsüchtig wird täglich auf neue Kaufaufträge "aus Frankreich" gewartet. Gelegentlich sollen auch die "Araber" wieder als Käufer auftreten. Ihnen wird "Interesse" für AEG-Aktien nachgesagt, Für die Börsenspekulation bleiben AEG-Aktien "gewinnverdächtig". Handfeste Andeutungen, über die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen würden den Kurs mit ziemlicher Sicherheit um weitere zehn Prozent steigen lassen. K. W.