Die Ehe, das ist bekannt, hat ein wechselvolles Schicksal hinter sich. Doch im Prinzip galt immer zweierlei: Ehe und Familie waren die "Keimzellen" des Staates, eine autoritäre Gesellschaft konnte sicher sein, daß autoritäre Väter ihnen brave Untertanen heranzogen. Und die Ehe war die vertraglich abgesicherte Ungleichheit zugunsten der Männer. Herodes schickte Frauen, derer er überdrüssig war, kurzerhand in die Wüste, Heinrich der VIII. machte sie um einen Kopf kürzer.

Und es ist noch gar nicht so lange her, da verlangte ein bundesdeutsches Gesetz, daß die Frau Hausfrau und Mutter zu sein habe, es sei denn, die materiellen Verhältnisse erforderten, daß sie dazuverdiene. Dieser Paragraph wurde inzwischen abgeschafft, und das neue Ehe- und Familienrecht, das im Juli in Kraft tritt, wird die Gleichheit von Mann und Frau vor dem Gesetz weiter fördern.

Trotzdem laufen Ehepartner heute scharenweise zum Scheidungsrichter. Das vergangene Jahr war sozusagen ein Rekordjahr. Und immer häufiger sind es die Frauen, die sich von ihren Männern trennen wollen. Denn was da auf geduldigem Papier unserer Verfassung oder des BGB steht, bestimmt noch lange nicht die häusliche Wirklichkeit. Da ist es immer noch die Frau, die für ihren ordnungsliebenden und hungrigen Mann wäscht und putzt und kocht, ob sie nun selber berufstätig ist oder nicht, und sie ist es, die nachts aufsteht, um das Baby zu füttern. Sie tut das alles umsonst – eine 60-Stunden-Woche für freie Kost und Logis.

In diese triste bundesdeutsche Wirklichkeit kommt eine Nachricht aus Amerika, die neue Perspektiven eröffnet. Und zwar geht es darum, daß heiratswillige Partner sich vor dem entscheidenden Schritt in allen Einzelheiten vertraglich festlegen, wie ihr künftiges Zusammenleben aussehen soll. Die New York Times berichtet: Die Zahl solcher vorehelichen Verträge nimmt zu. Und ein New Yorker Anwalt kommentiert das Geschehen: "Das ist eine sehr kaltblütige Art, eine Ehe zu beginnen, sehr berechnend. Außerdem werden da Rechte verlangt, die gar nicht existieren!" Und was sind das für Rechte?

Harvey Sadis und Harriet Cody zum Beispiel vereinbarten in ihrem Vertrag, sich die Hausarbeit zu teilen. Er macht die Wäsche, sie verwaltet das Haushaltsgeld, und beide führen Buch darüber, wer wann kocht. Sie teilen alle Ausgaben, ihren Besitz, den Raum in ihrer Wohnung und die Verantwortung für die Geburtenkontrolle. Harriet behielt ihren eigenen Familiennamen, und Harvey gab sein Recht auf, ihren gemeinsamen Wohnort zu bestimmen. In ihrem Vertrag steht auch: "Harriet und Harvey werden als Individuen oder als Partner nicht unerfüllt bleiben, wenn sie keine Kinder haben. Zu diesem Zeitpunkt teilen die Parteien nicht die Auffassung, Kinder zu haben."

Harriet und Harvey sind kein Einzelfall mehr, sondern typisch für den wachsenden Kreis jener Paare, die voreheliche Verträge vereinbaren. Sie sind jung, sie sind gebildet, und Harriet ist Feministin. Sie war schon einmal verheiratet, und ihre Scheidung fiel zusammen mit dem Beginn der Women’s Liberation Movement. "Damals traf ich bestimmte Entscheidungen darüber, wie künftige Beziehungen zu einem Mann sein müßten", sagte sie der New York Times, "und mir gefiel die Idee eines vorehelichen Vertrags, weil er die Möglichkeit bietet, eine Ehe zu definieren, in der es keine Unterdrückung gibt."

Ob die Vereinbarungen und Ansprüche in einem solchen Vertrag, der heiratswillige Paare zwischen 250 und 2500 Dollar kostet, einklagbar sind, scheint allerdings fraglich. Bisher gibt es in einzelnen Staaten noch Gesetze, die dem Ehemann die alleinige Kontrolle über den Besitz und die Wohnung zugestehen, und der Oberste Gerichtshof entschied im vergangenen Jahr sehr vorsichtig, daß voreheliche Verträge, die den Besitz aufteilen, nur insoweit gültig seien, als sie einer Scheidung nicht Vorschub leisteten.