Von Albrecht Fölsing

Ich weiß nicht, wie die Welt über mich denkt; mir selbst aber kam ich vor wie ein kleiner Junge, der glücklich am Meeresstrand spielt und hin und wieder einen glatteren Kieselstein oder eine hübschere Muschel fand als die anderen – während der große Ozean der Wahrheit unentdeckt vor mir lag."

In dieser stilisierten Bescheidenheit beschrieb Isaac Newton kurz vor seinem Tode am 31. März 1727 vor nunmehr 250 Jahren das Erbe, das er der Nachwelt vermachte – Kieselsteine und Muscheln von höchster Kostbarkeit. Der vielleicht genialste Naturwissenschaftler aller Zeiten schuf

  • das wissenschaftliche Instrumentarium einer neuen Mathematik in Gestalt der Infinitesimalrechnung
  • die Grundlagen für eine physikalische Theorie der Farben und der Optik
  • und die erste mathematische Theorie der Natur, die die Phänomene der Mechanik unter Einbeziehung der Schwerkraft nahezu erschöpfend behandelt.

Diese Theorie der Mechanik brachte Isaac Newton im Jahre 1686, damals Professor am Trinity College in Cambridge, der Londoner Royal Society und damit der gelehrten Welt zur Kenntnis – unter dem ebenso bescheidenen wie anspruchsvollen Titel Philosophiae Naturalis Principia. Mathematica. Diese Mathematischen Prinzipien der Naturphilosophie gelten als die erste jener klassischen physikalischen Theorien, die seither zum Erkenntnisideal der exakten Naturwissenschaften geworden sind.

Die Struktur seiner "Principia" und die philosophischen Grundlagen seiner Überlegungen erläuterte Newton in einer berühmten Passage des Vorwortes:

"Ich lege hier die mathematischen Prinzipien der Philosophie vor, denn die hauptsächliche Aufgabe der Philosophie scheint offenbar darin zu bestehen, aus den Erscheinungen der Bewegung die Kräfte der Natur zu erforschen und hierauf durch diese Kräfte die übrigen Erscheinungen zu erklären. Hierzu dienen dierallgemeinen Sätze, welche im ersten und zweiten Buch behandelt werden. Im dritten Buch haben wir, zur Anwendung derselben, das Weltsystem erklärt. Dort wird nämlich aus den Erscheinungen am Himmel, mittels der in den ersten Büchern mathematisch bewiesenen Sätze, die Kraft der Schwere abgeleitet, vermöge welcher die Körper sich bestreben, der Sonne und den einzelnen Planeten sich zu nähern. Aus derselben Kraft werden dann, gleichfalls mittels mathematischer Sätze, die Bewegungen der Planeten, der Kometen, des Mondes und des Meeres abgeleitet."